Fertighaus – alles was man wissen muss

  • Von Jesco Puluj
  • Veröffentlicht 2. Mai 2016
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Wir vom Architektenscout stellen Ihnen heute das Thema Fertighaus vor. Dabei gehen wir auf seine Vor- und Nachteile ein, erklären wie es sich vom Architektenhaus abgrenzt und erklären wie es beim Energie sparen hilft.

Ein Fertighaus in einer Musterhaussiedlung (Foto: OKAL Haus GmbH, Creative Commons via Flickr)

Ein Fertighaus in einer Musterhaussiedlung (Foto: OKAL Haus GmbH, Creative Commons via Flickr)

Was ist ein Fertighaus?

Ein Fertighaus ist ein Haus, das hauptsächlich aus Teilen besteht, die im Werk vorgefertigt und an der Baustelle endmontiert werden. Diese Bautradition lässt sich mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen und soll sogar im antiken Griechenland Anwendung gefunden haben. Auch im mittelalterlichen Deutschland wurden Bauteile von Fachwerkbauten mit dieser Baumethode errichtet.

Seriell und kommerziell wurden die Fertighäuser in Deutschland dann nach dem Zweiten Weltkrieg und begonnen ab den 60er Jahren richtig zu boomen. Heutzutage sind um die 16 Prozent der Eigenheime in Deutschland Fertighäuser, in Österreich sogar 30 Prozent.

Was Fertighäuser von herkömmlichen Häusern unterscheidet ist, dass sie fast ausschließlich in der Holzbauweise angefertigt werden und damit Leichtbauten sind.

Fertighäuser gibt es auch als sogenannte Typenhäuser: sie basieren dann nicht auf den Wünschen des Bauherren sondern werden von den Fertighaus-Anbietern vorgegeben. Der zukünftige Bauherr kann sich sein Haus deswegen bereits im Vorhinein in einer Musterhausausstellung ansehen und dann individuell anpassen lassen.

Das untenstehende Video gibt eine Einblick wie eine solche Ausstellung aussieht:

Typenhäuser sind allerdings inzwischen nicht mehr so beliebt. Über zwei Drittel der Fertighäuser sind individuell geplant.

Vor- und Nachteile von Fertighäusern

Zunächst haben Fertighäuser einen besonders großen Vorteil: sie nehmen dem Bauherren wahnsinnig viel Arbeit ab. Wie wir bereits in unserem Artikel Die 5 größten Fehler beim Hausbau angemerkt haben ist der Hausbau ein komplexer Prozess, der sehr viel Zeit, Energie und Geld erfordert. Der Fertighausbau kommt einem dabei sehr entgegen.

Hier sind die Vorteile im Überblick:

  • Man muss sich nicht mit mehreren Handwerksbetrieben auseinandersetzen. Der Fertighausanbieter ist der einzige Ansprechspartner
  • Das Haus kann im Vorhinein in der Musterhausaustellung besichtigt werden
  • Die Bauzeit ist besonders kurz
  • Es gibt keine Austrocknungsphase des Mauerweks
  • Die Personalkosten beim Bau sind niedriger
  • Aufgrund der Holzbauweise ist die Ökobilanz besonders gut, was staatliche Fördermittel garantiert.
  • Es gibt die Möglichkeit nur die Hülle des Gebäudes als Fertighaus zu errichten und den Innenbau dann selber zu gestalten
Die kurze Bauzeit ist ein großer Vorteil (Depositphotos)

Die kurze Bauzeit ist ein großer Vorteil (Depositphotos)

Ein Nachteil von Fertighäusern ist der geringere Schallschutz aufgrund der Leichtbauweise. Darüber hinaus verlieren sie über die Jahre an Wert. Darüberhinaus ist der Fertighausmarkt in der Preisgestaltung sehr uneinheitlich.

Trotz all der Vorteile waren wir neugierig, was ein alteingesessener Architekt von Fertighäusern hält. Der Münchner Architekt Winfried Golling gab uns dabei ein überraschend positives Statement:

„Viele die ein Einfamilienhaus haben wollen, schicke ich in die Fertighaus-Ausstellung, weil ich meine dass ein privater Bauherrer, der nicht andauernd baut, dort eine Menge entdecken kann. Es spricht meines Erachtens nichts gegen den Fertighausbau, weil viele Bauherren damit auch wirklich glücklich werden, ich habe da überhaupt keine Vorbehalte. Manch einer kommt auch von der Ausstellung zurück und sagt: das hat mir gut gefallen, kann man das irgendwie in den Entwurf integrieren? … In der Schmuddelecke sind die nicht mehr drin. Und mit dem was Bauen für ein Stress bedeuten kann und was dem Bauherren sonst an Entscheidungen abverlangt werden, ist ein Fertighaus wirklich eine gute Entscheidung.“

Fertighaus – Architektenhaus – Bauträgerhaus

Beim Architektenhaus ist die Zusammenarbeit mit dem Architekten wichtig (© DragonImages - Fotolia.com)

Beim Architektenhaus ist die Zusammenarbeit mit dem Architekten wichtig (© DragonImages – Fotolia.com)

Was unterscheidet ein Fertighaus nun von einem Architektenhaus und vom Bauträgerhaus?

Bei einem Architektenhaus steht die intensive Zusammenarbeit mit einem Architekten im Vordergrund. Dies bedeutet auch, dass der Einfluss des Bauherren auf Entwurf, Ausführung und Finanzierung des Projekts sehr hoch ist. Einschränkungen werden vor allem durch das Grundstück vorgegeben, weswegen der Architekt bereits vor dem Grundstückskauf herangezogen werden sollte.

Das Honorar des Architekts orientiert sich dabei am Baubudget und kann nicht frei vereinbart werden. Bei Fertighaus dagegen spielt der Architekt eine geringe Rolle, es sein denn der Bauherr will das Fertighaus stark individualisieren.

Beim Bauträgerhaus ist das Baugelände vorgegeben und der Bauherr arbeitet mit einem Bauträger zusammen. Ein Bauträger ist ein Unternehmen, dass sich um die Abwicklung des Baus kümmert wobei es sich auch um ein Musterhaus handeln kann.

Wenn Sie einen noch detaillierteren Überblick lesen wollen, dann empfehlen wir diesen Artikel.

Die aktuelle Lage auf dem Fertighausmarkt

Fertighäuser boomen. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) betont: „Wir erleben eine hohe Nachfrage nach Fertighäusern, was sich in steigenden Stückzahlen und Marktanteilen ausdrückt“. Beispielsweise wurden allein zwischen Januar und Juli letzten Jahres knapp 10.000 Baugenehmigungen für Fertighäuser erteilt, was einem Zuwachs von 7.5% entspricht.

Fertighäuser spielen auch in der Flüchtlingsproblematik eine Rolle. Die kurze Bauzeit kommt der Knappheit an Unterkünften zugute, weswegen allein der Berliner Senat 612 Millionen Euro in Leichtbau-Häuser investieren will um 24.000 Menschen eine Unterkunft bieten zu können.

Fertighäuser haben ohnehin schon einen guten Ruf wegen ihrer Umweltfreundlichkeit. Inzwischen gibt es sogar schon ein Plusenergiehaus, das als Fertighaus errichtet wurde – und das auch noch mit nachhaltigen Bauelementen. Kosten: 205 000 Dollar.

 

 

 

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