Monatsarchiv: Januar 2016

Architektur in Japan

Architektur, die Maßstäbe setzt

Japans Architektur

Japans Architektur

Seitdem sich Japan 1868 geöffnet hat, befindet sich die japanische Architektur im steten Wandel. Wurde anfangs nach europäischem Vorbild gebaut, steht heute die Architektur in Japan abseits üblicher Konzepte und scheint dem weltweiten Trend schon meilenweit voraus zu sein. Die moderne Architektur hat aus der Vergangenheit gelernt. So hielten weder die europäischen Backsteinbauten noch die traditionellen Holzhäuser den Erdbeben stand. Die hohe Bevölkerungsdichte und das geringe Platzangebot fordern zudem innovative Konzepte, um großzügigen Wohnraum zu schaffen. Nach 1950 setzte sich eine brutalistische Architekturdurch. Zahlreiche Städte mussten nach dem Krieg wieder aufgebaut werden. Zu Beginn wurde dafür das bis dahin verwendete Holz mit dunklem Stahlbeton imitiert. Während der „Postmoderne“ wurde dann mit der Errichtung metaphorischer Ruinen die Zukunft vorweggenommen.

Um die Jahrtausendwende trat eine neue Architektengeneration in den Vordergrund, die sich von allem befreite, was bis dahin prägend für die japanische Architektur war: Übernahme westlicher Architektur, Selbstzweifel, Selbsterniedrigung, Gegensätze und Überheblichkeit. Selbstsicher und vollkommen eigenständig hat die Architektur in Japan einen eigenen Weg eingeschlagen. Den Anfang machte Tadao Ando unter anderem mit seinem vier Stockwerke hohen „4×4 House“ (2003) mit einer nur 16 Quadratmeter großen Grundfläche. Tadao Ando ist derzeit einer der wichtigsten japanischen Architekten, in dessen minimalistischen, eleganten Entwürfen Tradition und Moderne eine Einheit bilden, was auch seine Bauten auf der Museumsinsel Naoshima verdeutlichen und für die moderne Architektur in Japan steht.

Kennzeichnend für die herausragenden Objekte mutiger Bauherren sind der streng geometrisch geformte Baukörper, die weiße Farbe, deren Ursprung gern im Bauhaus gesucht wird, und schlichte, leere, aufgeräumte Räume, die ganz nach japanischer Tradition keinem bestimmten Zweck zugedacht sind. Es sind gebaute Experimente, Gedankenkonstrukte, die es vom Papier in die Realität geschafft haben und sichtbar machen, was möglich ist.

Großes im Kleinen

Das japanische Steuerrecht bringt es mit sich, dass geerbte Grundstücke in teilweise ungünstig geschnittene kleine Parzellen geteilt werden. So sind Grundstücke nicht selten gerade einmal 50 oder weniger Quadratmeter groß, schmal und lang oder verwinkelt. Diese kniffligen Grundstücke verlangen das ganze Können des Architekten ab. Hinzu kommt ein meist begrenztes Budget für das Wohnhaus, das mit durchschnittlich 180.000 Euro sogar deutlich unter dem Grundstückswert liegt. Ungeachtet davon muss der Architekt die strengen Bauvorschriften, wie Erdbebensicherheit oder Abstände zu Nachbargebäuden, beachten. Dass diese scheinbar unmögliche Ausgangssituation doch zu einem wohnlichen Ganzen zusammengefügt werden kann, zeigen die Ausnahmewohnhäuser in den japanischen Metropolen. Denn hier sind Originalität und Qualität gefragt, damit die Herausforderungen mit eigenwilligen Lösungen gemeistert und die Fragen nach dem Minimum an Wohnanspruch und nach unverzichtbaren Funktionen beantwortet werden können. Minihäuser auf Minigrundstücken sind die Spezialdisziplin der Architektur in Japan.

Privatsphäre im engen Stadtgefüge

Dabei entstehen unkonventionelle Wohnformen auf mehreren Ebenen, die sich sowohl für Familien als auch für Wohngemeinschaften eignen. Diese neuartige Wohnraumaufteilung beeinflusst allerdings auch das tägliche Leben. Typisch japanisch sind zudem Wandschränke und fest installierte Armaturen, die eine Umnutzung nur mit größeren Umbauarbeiten ermöglichen. Trotzdem ist es erstaunlich, wie luftig und geräumig die Miniwohnhäuser dank ihrer verschiedenen Höhen und Ebenen sind. Makoto Tanijiri hat das bei seinen Wohnhäusern in Kamiosuga und Koamicho, wo vertiefte und erhöhte Flächen auf einer Etage unterschiedliche Wohnbereiche schaffen, eindrucksvoll gezeigt. Der Kubus des Wohnhauses in Koamicho dient als Schutzwall zur Außenwelt und öffnet sich ausschließlich zum privaten Innenhof. Auch das ist kennzeichnend für die japanische Architektur. Die kostbare Privatsphäre wird auf ein Maximum ausgedehnt, ohne dabei Nachbargrundstücke zu stören oder selbst gestört zu werden, wie bei Katsuhiro Miyamotos Wohnhaus „Between“ (2009), wo eine Terrasse in der Gebäudemitte den Wohnraum nach außen erweitert oder Takuro Yamamoto Architects „Little House with a Big Terrace“ (2015). Bei diesem 75 Quadratmeter großen Haus auf 42 Quadratmeter Grund vervollständigt die umschlossene Terrasse den kubushaften Charakter und schützt vor fremden Einblicken. Als Lösung für das Platzproblem wurde ein 1,40 Meter hohes Zwischengeschoss als Lagerraum eingefügt. Eine andere Lösung für den Schutz der Privatsphäre hatte Takeshi Hosaka mit seinem „Daylight House“. Die Reduktion auf das Wesentliche wurde so weit getrieben, dass auf Fenster verzichtet wurde. Stattdessen lässt die Lichtdecke das Tageslicht ungehindert in das 85 Quadratmeter große Wohnhaus hinein.

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BIM – vielseitig talentiert und kontrovers diskutiert

Architekten müssen sich – ebenso wie Angehörige anderer Branchen – stets entscheiden: Altvertrautem hinterhertrauern oder Chancen erkennen und neue Wege gehen? Dass wir durch das Internet in einem Kommunikationszeitalter leben, erleichtert sowohl privat als auch geschäftlich viele Vorgänge maßgeblich. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass auch Planer von diesen Errungenschaften profitieren können. Wer von ihnen es tut, ist eine andere Frage.

Architekt_CC0 Public Domain

Architekt_CC0 Public Domain

Bei diesen neuen Wegen ist die Rede von Building Information Modeling, kurz BIM. Diese neue, CAD- und Cloudbasierte Methode zur optimierten Projektabwicklung ist nicht nur ein Insider-Tipp, sondern sogar vom Gesetzgeber gewünscht. Das Europäische Parlament sprach am 15.01.2014 eine Empfehlung zur Modernisierung des Vergaberechts aus: mithilfe von computergestützten Methoden wie BIM. Es ist, so der Wille der EU, bei der Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen und Ausschreibungen einzusetzen. Bei der Umsetzung hängt Deutschland allerdings etwas hinterher: Was hierzulande noch diskutiert wird, ist in Großbritannien, den Niederlanden, Dänemark und Norwegen bereits vorgeschrieben.

In Deutschland arbeitet die Baubranche noch immer überwiegend nach dem altvertrauten Status quo: Die am Bauprozess beteiligten Leistungserbringer können ihre Leistungen weder fachübergreifend noch lebenszyklusumfassend miteinander verknüpfen. Aus diesem Umstand ergeben sich Defizite in der Planung, in der ökonomischen und ökologischen Umsetzung sowie der Wertschöpfungskette im Bauwesen.

Was können nun Argumente für ein Umdenken und den großen Kurswechsel sein? Am Anfang steht das Wissen, worum es sich bei BIM handelt.

Wovon sprechen wir, wenn wir „BIM“ sagen?

Um gleich zu Beginn alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: BIM ist keine Software, sondern eine Methode! Building Information Modeling ist, einfach gesagt, eine neue Form der Projektabwicklung. Es bietet ein Tool zur zentralen Verwaltung aller projektrelevanten Informationen wie etwa Verweise auf Ressourcen oder schriftliche Dokumentationen. Eine gute Definition ist der National BIM Standard (NBIMS) aus den USA:

Building Information Modeling (BIM) ist eine Planungsmethode im Bauwesen, die die Erzeugung und die Verwaltung von digitalen virtuellen Darstellungen der physikalischen und funktionalen Eigenschaften eines Bauwerks beinhaltet. Die Bauwerksmodelle stellen dabei eine Informationsdatenbank rund um das Bauwerk dar, um eine verlässliche Quelle für Entscheidungen während des gesamten Lebenszyklus zu bieten; von der ersten Vorplanung bis zum Rückbau.

Ziel des digitalen Bauprozesses ist das Optimieren der Wirtschaftlichkeit in Planung und Bau. Dies erreicht er durch eine integrierte und partnerschaftliche Arbeitsweise, die sich über den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken erstreckt. Die 5-D-Planung (zu den bekannten 3-D-Komponenten kommen die Informationen zu „Zeit“ und „Kosten“ hinzu) beinhaltet somit alle relevanten Informationen zu einem Gebäude: von den Vorgaben des Bauherrn über die Planung bis hin zum Gebäudebetrieb und sogar Recycling und Rückführung in den Stoffkreislauf.

Zunehmend fällt im Zusammenhang mit Building Information Modeling die Wortkreation BIM, BAM, BOOM. Diese stammt ebenfalls aus den USA und stellt eine Erweiterung von BIM dar. Am Anfang steht des soeben beschriebene fünfdimensionale Building Information Modeling. Darauf folgt – BAM – das Building Assembling Modeling, das die Bauphase inklusive der Baulogistik simuliert. Hiervon profitieren besonders innerstädtische Baustellen, die naturgemäß enge Zuwegungen haben. BOOM letztlich, das für Building Operational and Organisational Modeling steht, stellt die Betriebsphase eines Gebäudes dar.

Bevor die Architektenschaft in Deutschland allerdings an BAM und BOOM denkt, gilt es zunächst ganz andere – zweidimensionale – Hürden, die sogar lange vor BIM stehen, zu überwinden.

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Thermographie, neue Möglichkeiten der Mängelerkundung

Wärmebildaufnahme einer Fassade

Wärmebildaufnahme einer Fassade

Die Thermographie wird seit Jahren in der Bauwerksdiagnostik erfolgreich eingesetzt. Um genaue Ergebnisse zu erhalten waren jedoch lange Spezialfirmen mit sündhaft teueren Wärmebildkameras gerufen um Aufnahmen zu erstellen und Ergebnisse zu deuten.

Moderne Methoden und Geräte ermöglichen nun auch durch die erschwinglichen Anschaffungskosten für den Architekten oder Bausachverständigen den Einsatz auf der Baustelle. Die immer höher werdenden Anforderungen der Energieeinsparverordnung lassen den Einsatz einer thermographischen Untersuchung heutzutage kaum noch umgehen. Wir haben das moderne , handliche Gerät der Firma Flir, den Flir ONE getestet, welches sich einfach an ein iPhone 6+ andocken läßt und ca. 270 Euro kostet. Werden externe Spezialisten beauftragt kosten Wärmebildaufnahmen, eines Einfamilienhauses, gerne über 600 Euro. In verschiedenen Bundesländern bieten Energieversorger (Beispielhaft die GASAG in Berlin) erschwinglichen Aufnahmen von Bestandsobjekten an.

Bei der Thermographie wird mittels Infrarotstrahlung die Oberflächentemperatur gemessen und ein farbiges Bild als Ergebnis geliefert (Wärmebild). Oftmals wird eine helle Farbe wie Rot oder Gelb für hohe Temperaturen benutzt und dunklere Farben wie Blau oder schwarz für tiefe Temperaturen. Für Thermographieaufnahmen ist keine Lichtquelle erforderlich.

Im Bauwesen geht es dabei um das Aufspüren der sogenannten Wärmebrücken, also der Bauteile die mangelhaft gedämmt wurden und die Wärme „ungehindert“ abfließen lassen.

Die besonders anfälligen Bauteile sind Fenster und Türen, Rollläden, Putz, Übergänge von Bauteilen (Anschluss Balkone / Dach / Treppen) und hautechnische Anlagen sowie Durchdringungen für Kabel und Rohre.

Wir haben die Wärmebildkamera zur Überprüfung eines 15 Jahre alten Gebäudes getestet. Bei der Interpretation der Aufnahmen muss bedacht werden, das bestimmte Wärmeverluste von Bauteilen normal sind. So wird jede Thermografie einer Fassade die Fenster heller erscheinen lassen. Knackpunkte sind aber die Rolllädenkästen welche oftmals nicht ausreichend gedämmt wurden.

Beeindruckt waren wir auch von der Möglichkeit Heizschlangen in einer Fußbodenheizung zu Orten und versteckte Haustechnische Anlagen zu erkennen.

Wärmebild einer Fußbodenheizung

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