Monatsarchiv: September 2016

Berühmtheiten der Architektur: De Stijl

  • Von Jesco Puluj
  • Veröffentlicht 17. September 2016
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De Stijl: Niederländischer Aufruf zu puristischer Abstraktion

De Stijl verstand sich als Künstlervereinigung von Architekten, Malern, Autoren und Designern und war eine gleichnamige Kunstzeitschrift. Sie war wesentlicher Bestandteil der Gruppe und diente der Verbreitung der „De Stijl“-Theorie sowie dessen Weiterentwicklung.

Eine Reihe von Künstlern gründete 1917 die in Amsterdam hervorgerufene Kunstbewegung, deren schöpferische Kernzeit bis 1931 andauerte. Darunter waren der Maler und Kunsttheoretiker Theo van Doesburg, die Maler Piet Mondrian, Georges Vantongerloo, Vilmos Huszár, Bart van der Leck, die Architekten Robert van’t Hoff, J. J. P. Oud und Jan Wils, sowie der Dichter Antony Kok. Neue Mitglieder kamen im Laufe der Zeit hinzu, während alte die Gruppe verließen.

Theorie und Praxis

Die als „neue Gestaltung“ zu bezeichnende Bewegung machte sich zur Überzeugung, dass nur die pure Abstraktion von Form und Farben zulässig sei. Dessen Gründungsmitglied Mondrian definierte in seinem Essay „Neo-Plasticism in Pictorial Art“, dass nur Primärfarben (Rot, Gelb und Blau), Nichtfarben (Schwarz, Weiß und Grau), Vierecke, Rechtecke und nur gerade (waagerechte und senkrechte) Linien verwendet werden dürften.

Die Künstler wandten sich vollständig von den darstellerischen Grundsätzen der traditionellen Kunst ab und zielten auf eine völlig neue Farben- und Formensprache mit strikter Geometrie ab. Parallelen zum deutschen Bauhaus sind aufgrund der universell anwendbaren Grundsätze auf alle Gestaltungsbereiche vorhanden. Der Kubismus und Wassily Kandinskys kunsttheoretische Veröffentlichungen prägten ihre Vorstellungen, obgleich sie nicht an deren allgemeinen Prinzipien festhielten. Das gemeinsame Schaffen stand im Mittelpunkt.

Nicht nur in der bildenden Kunst und Architektur, sondern auch im Design von Möbeln und anderer Gebrauchsgegenstände wirkte die Strahlkraft von De Stijl. Das wohl bekannteste Beispiel ist das 1924 in Utrecht erbaute Rietveld-Schröder-Haus. Es zählt zu den wichtigsten Bauwerken der De-Stijl-Bewegung, steht seit 1976 unter Denkmalschutz und ist seit 2000 ein UNESCO-Weltkulturerbe. Tatsächlich ist es das einzige Gebäude, das vollständig gemäß der Stijl-Prinzipien gebaut wurde.

Das Rietveld-Schöderhaus (Foto: Hay Kranen / CC-BY)

Das Rietveld-Schöderhaus (Foto: Hay Kranen / CC-BY)

Einflüsse und Mission

Die vor allem als geistig und intellektuell zu verstehende Bewegung betonte in ihrem Manifest Universalität und negierte die Individualität. Ultimative Einfachheit, Minimalismus, Abstraktion und die Suche der nach der „idealen“ geometrischen Form waren die Kernthemen der Gruppe.

Ihre Werke vermieden Symmetrie. Eine ästhetische Balance erreichten sie stattdessen mit der Nutzung von elementaren Kontrasten (waagerecht/senkrecht, groß/klein, hell/dunkel) und der Unabhängigkeit eines jeden Elements im Werk: das zuvor genannte Rietveld-Schröder-Haus und der Rot-Blaue Stuhl von Rietveld sind Beispiele für Letzteres. Sie zeigen das Zusammenspiel von senkrechten und waagerechten Linien, die sich nicht überlagern oder aufeinandertreffen.

Der rot-blaue Stuhl von Gerrit Rietveld (Foto: Ellywa, CC)

Der rot-blaue Stuhl von Gerrit Rietveld (Foto: Ellywa, CC)

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Berühmtheiten der Architektur: Peter Zumthor

  • Von Jesco Puluj
  • Veröffentlicht 5. September 2016
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In unserer Reihe „Berühmtheiten der Architektur“ stellen wir vom ArchitektenScout Ihnen die Stars der Architekturszene vor: Architekten, Architektenbüros, außergewöhnliche Bauwerke — alles was das Architekten-Herz begehrt.

In unserem heutigen Artikel stellen wir einen der berühmtesten, aber auch umstrittensten Architekten der Schweiz vor: Peter Zumthor.

Peter Zumthor – Ausgezeichnete Architektur mit klarer Linie

Peter Zumthor wurde 1943 in Basel, Schweiz geboren und ist ein international sehr bekannter Architekt.

Nach seiner Ausbildung als Möbelschreiner widmete er sich im anschließenden Studium an der Kunstgewerbeschule in Basel der Innenarchitektur und dem Design. Nachfolgend studierte er Architektur und Industrial Design am Pratt Institute in New York.

Nachdem er viele Jahre als Denkmalpfleger am Denkmalamt seines Wohnkantons Graubünden in der Südostschweiz tätig war, gründete er 1978 sein Architekturbüro im gleichen Kanton.

Zusammen mit seiner Frau Annalisa Zumthor-Cuorad, mit der er drei erwachsene Kinder hat, lebt er in Haldenstein, wo er auch sein Architekturbüro mit etwa 30 Angestellten leitet.

Eines seiner berühmtesten Werke ist die Therme Vals. Wie eine Mischung aus Steinbruch und Höhle aufgebaut, sollte sie sich dank der genutzten Materialen aus der unmittelbaren Umgebung nahtlos ins Gesamtbild der Region einfügen, den Ausdruck von nachhaltigem Tourismus fördern und die sozialen und kulturhistorischen Umstände des Ortes aufgreifen.

Er war als Gastprofessor weltweit tätig und lehrte unter anderem am Southern California Institute of Architecture in Los Angeles (1988), der Technischen Universität in München (1989), an der Tulane University (1992) und der Harvard Graduate School of Design (1999). Seit 1996 ist er ebenfalls Professor an der Schweizer Accademia di Architettura di Mendrisio.

Zumthor hat eine klare Auffassung von Architektur, verweigerte sich zeitweisen Modeströmungen und drückt seine Meinung direkt und unverblümt aus. Das brachte ihm in der Vergangenheit den Ruf ein, schwer umgänglich und stur zu sein. Als Künstler nimmt er sich Zeit für seine Arbeit, arbeitet detailgenau und hoch perfektionistisch. Beim Aufbau der Gedenkstätte „Topographie des Terrors“ bescherte ihm diese Arbeitseinstellung das frühzeitige Aus, weil das Projekt mit 38,8 Millionen Euro Baukosten zu teuer wurde.

Für ihn ist Architektur nicht Bauen, sondern eine sinnliche Erfahrung, die greifbar und menschlich sein soll. Das Fühlen, Riechen und Anfassen von Materialien im fertigen Werk orchestrierte Zumthor förmlich, weshalb die Materialwahl (wenn auch teilweise teuer) große Priorität in seinen Umsetzungen genoss. Diese Verherrlichung von sinnlicher Erfahrung und Gefühlen teilt er mit Heideggers Überzeugung aus den Lehren der Phänomenologie.

Nichtsdestotrotz wurde seine oft als minimalistisch bezeichnete Arbeit vielerorts gewürdigt: 1994 wurde er zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin gewählt. Zwei Jahre späte wurde er zum Ehrenmitglied des Bunds Deutscher Architekten (BDA) ernannt, gefolgt vom Carlsberg Architectural Prize für die Konzeption des Kunsthauses Bregenz (1998), dem European Union Prize for Contemporary Architecture (1999), der Royal Gold Medal (2013) und dem Pritzker-Preis, dem weltweit wichtigsten Architekturpreis.

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige seiner bekanntesten Bauwerke vor.

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