Monatsarchiv: März 2016

Burj Khalifa – das höchste Gebäude der Welt

  • Von Jesco Puluj
  • Veröffentlicht 28. März 2016
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Heute stellen wir vom ArchitektenScout Ihnen den Burj Khalifa vor – das höchste Gebäude der Welt. Es ist der neueste Teil unserer Reihe „Gebäudeporträts“, in der wir bereits den Kölner Dom und die Grand Central Station vorgestellt haben. Viel Spaß damit!

burj kkhalifa

Der Burj Khalifa (Foto: Joi via Flickr, Creative Commons 2.0)

Burj Khalifa – der Himmelsturm

Burj Khalifa – der Khalifa Turm – ist mit seinen 828 Metern seit seiner Fertigstellung 2009 das höchste Gebäude der Welt. Doch wir haben den Turm nicht nur wegen seiner Rekordhöhe in unsere Reihe der Gebäudeporträts aufgenommen. Er symbolisiert auch wie weit sich die Architektur- und Baukunst inzwischen entwickelt hat und zu was für Großtaten unsere Branche mittlerweile fähig ist.

Dabei kann man kann sich sicherlich darüber streiten inwiefern der Burj Khalifa seine immensen Baukosten rechtfertigt und dass man weitaus nützlichere Gebäude mit dem Geld hätte errichten können. Dennoch überzeugt das Endergebnis durch sein ansehnliches futuristisches Design und zweifelsohne hat das Bauwerk das globale Bewusstsein über die Architekten-Branche erhöht.

Der Mann hinter dem Turm – Adrian Smith

Erdacht wurde der Turm vom amerikanischen Architekten Adrian Smith, der mit dem Jeddah Tower gerade dabei ist seinen eigenen Höhenrekord zu brechen und das erste Gebäude in Kilometerhöhe zu errichten. Smith ist zudem für den Jim Mao Tower, den Pearl River Tower und das Trump International Hotel verantwortlich.

Adrian Smith wurde an der Texas A&M Universität ausgebildet aber verließ die Hochschule ohne Abschluss um sich dem Büro Skidmore, Owings and Merrill anzuschließen. Erst 2006, als der Burj Khalifa bereits in Bau war, gründete er mit Adrian Smith + Gordon Gill Architecture sein eigenes Büro, das sich zum Ziel erklärte energieeffiziente und nachhaltige Gebäude von internationaler Bedeutung zu errichten.

In seiner Karriere als Architekt hat Smith eine Vielzahl an Architekturwettbewerben für sich entscheiden können und wurde 2011 mit dem Lynn S.Beedle Lifetime Achievement Award ausgezeichnet.

Der Mann hinter Burj Khalifa: Adam Smith (Foto Goyaforya, CC 3.0)

Der Mann hinter Burj Khalifa: Adam Smith (Foto Goyaforya, CC 3.0)

Die Baugeschichte des Burj Khalifa

Offizieller Baubeginn war am 6. Januar 2004, ohne dass sich die Architekten zu diesem Zeitpunkt sicher waren, wie hoch der Turm tatsächlich werden würde. Der Plan war zunächst mit einer Höhe von 508 Metern den damaligen Rekordhalter Taipei 101 um nur wenige Meter zu übertreffen aber nachdem der Stahlbetonkern des Fundaments gegossen war, wurde schnell deutlich, dass eine weitaus größere Höhe möglich war.

Nachdem Anfang 2004 umfangreiche Belastungstests am Fundament erfolgreich abgeschlossen wurden, kam es von April bis Juli zur Errichtung der Pfähle. Um das Fundament auf dem sandigen Untergrund zu festigen wird die 7000 Quadratmeter große Fundamentplatte nämlich von 500 Betonpfählen von 1,5 Meter Durchmessern und 50 Meter Länge sowie 650 weiteren Pfählen gestützt.

Dann wurde mit dem Bau der Stockwerke begonnen, welcher im Dreischichtbetrieb und mit um die 2400 Arbeitern gleichzeitig vorgenommen wurde. Dabei konnte wegen der Hitze nur nachts betoniert werden – dennoch wuchs der Turm alle vier Tage um ein weiteres Stockwerk.

Am Weihnachtsabend 2006 war es dann soweit: der Turm wurde zum höchsten Bauwerk Dubais und am 7. April 2008 wurde er dann auch offiziell zum höchsten Bauwerk der Welt erklärt.

Nach 28 Monaten Bauzeit wurde im September 2009 das letzte Fassadenteil angebracht. Am 4. Januar 2010 fand dann endlich die offizielle Einweihung des Turmes statt.

Der Baustand im Dezember 2006 (Fots: Zwigger, Creative Commons )

Der Baustand im Dezember 2006 (Fots: Zwigger, Creative Commons)

Burj Khalifa nach Vollendung der Bauarbieten (Foto Vincent Eisfeld, CC 3.0)

Burj Khalifa nach Vollendung der Bauarbieten (Foto Vincent Eisfeld, CC 3.0)

Burj Khalifa – die Fakten

Ziel war es ein Gebäude zu errichten, das 30.000 Wohnungen, neun Hotels, 3 Hektar Parkfläche, ein Einkaufszentrum und einen eigenen See beherbergen würde. Zudem sollte dieser Bau der Superlativen Dubais Tourismus-Industrie festigen. Die Regierung Dubais wollte, dass der Staat nicht nur für seinen Öl-Reichtum bekannt ist sondern auch mit Tourismus-Attraktionen punkten kann. Allerdings konnte Dubai den Turm und andere Bauprojekte finanziell nicht von alleine stemmen weswegen es von den Vereinigten Arabischen Emiraten mehrere Milliarden Dollar geliehen bekam. Insgesamt betrugen die Baukosten des Turms um die 1,5 Milliarden Dollar.

Neben Skidmore, Owings and Merrill holte sich der Bauträger Emaar Properties noch Hyder Consulting als hauptverantwortliche Bauingenieure mit ans Bord.

Um den Turm in dieser Rekordhöhe und unter den schwierigen Witterungsbedingungen Dubais zu errichten mussten die Architekten eine neue Gebäudestruktur entwickeln – eine hexagonale Grundfläche, die auf einer Y-Form aufbaut. Die Außenfassade besteht aus 142 000 Quadratmetern reflektierendem Glas, sowie aus aluminiumhaltigen Stahlrahmen.

Insgesamt wurden 57 Aufzüge und 8 Rolltreppen in das Gebäude integriert. Insgesamt erstreckt sich der Turm über 160 Stockwerke.

Das Abfluss-System des Turm verarbeitet täglich 946 000 Liter Wasser mithilfe von 100 Kilometern an Rohren.

Der Dubai Fountain

Der Burj Khalifa wird durch einen eigenen künstlichen See ergänzt welcher mit dem Dubai Fountain das weltweit größte choreographierte Brunnen-System sein Eigen nennt. Der Dubai Fountain wurde von WET Design entworfen, welche auch die Brunnen des Bellagio Hotels in Las Vegas entworfen haben.

Der Dubai Fountain wird von 6600 Lichtern und 25 Farbprojektoren beleuchtet und kann Wasser bis zu 152 Meter in die Luft schießen.

Bekannt geworden ist der Brunnen durch seine Musik-Darbietungen, bei denen bekannte oder auch eigens komponierte Songs von Wasser und Licht in Szene gesetzt werden:

Der Dubai Fountain (Foto: Nealt, CC 3.0

Der Dubai Fountain (Foto: Nealt, CC 3.0

Wenn Sie sich für noch Details und Hintergründe über den Bau des Burj Khalifa interessieren empfehlen wir Ihnen die folgende Dokumentation:

Die Grand Central Station

Heute stellen wir vom ArchitektenScout Ihnen die Grand Central Station in New York vor – den größten Bahnhof der Welt. Dies ist der zweite Teil unserer Reihe „Gebäudeporträts“. Im ersten Teil hatten wir Ihnen den Kölner Dom vorgestellt.

Grand Central Station

Die Grand Central Station (Foto: Eric Baetscher CC 3.0)

Die Grand Central Station – ein Bahnhof der begeistert

De Grand Central Station in New York zählt mit ihren 67 Gleisen als größter Bahnhof der Welt. Doch sie hat noch viel mehr zu bieten als Superlativen, weswegen wir Ihnen das imposante Bahnhofsgebäude heute mit all seinen Details vorstellen möchten. Vorweg schon einmal einige Fakten:

  • Verteilt sich auf 48 Hektar
  • Beinhaltet 44 Bahnsteige (mehr als jeder andere Bahnhof weltweit)
  • Ist im Privatbesitz von Midtwon TDR Ventures
  • Befindet sich an der 89 East 42nd Street Park Avenue, New York
  • Erbaut von den Architekturbüros Reed and Stem sowie Warren and Wetmore
  • Über 20 Millionen Touristen besichtigen den Bahnhof im Jahr
  • Im Beaux-Arts-Stil erbaut

Die Baugeschichte

Bevor es zum Bau des heutigen Bahnhofs kam, wurde 1871 in New York der Zugbahnhof Grand Central Depot errichtet, welcher 1899-1900 auf sechs Stockwerke erweitert und in Grand Central Station umbenannt wurde. Allerdings kam es 1902 zu einem Zugunfall innerhalb des Terminals, der 15 Menschen das Leben kostete. Dies führte den damaligen Haupt-Ingenieur William J. Wilgus dazu einen kompletten Neubau des Bahnhofs vorzuschlagen, der elektrischen Zügen (anstatt der damals üblichen Dampfzüge) vorbehalten sein sollte.

Tatsächlich wurde 1903–1913 die damalige Grand Central Station komplett niedergerissen und durch das heutige Bahnhofsgebäude, das Grand Central Terminal, ersetzt. Der ursprüngliche Name wird im Volksmund aber bis heute weiterverwendet.

Bevor es jedoch zum Baubeginn kam stand Wilgus, der nun Hauptverantwortlicher des Baus war, vor einer großen Herausforderung: Wie konnte er den Bau des neuen Gebäudes und den Abbruch des alten so vollziehen, dass der Zugbetrieb nicht vollkommen eingestellt werden musste?

Die Lösung bestand darin den Betrieb teilweise auf das nahgelegene Grand Central Palace Hotel umzulagern, während das alte Gebäude abgerissen und das neue erbaut wurde. Diese Vorgehensweise verdoppelte die Baukosten aber ermöglichte es, den Zugbetrieb fortführen zu können.

Design-Wettbewerb und Bauarbeiten

Zu dieser Zeit wurde mit der Pennsylvania Station ein weiteres Bahnhofsgebäude in New York errichtet und Wilgus hatte es sich zum Ziel gesetzt es zu übertrumpfen. Deswegen schrieb er einen Wettbewerb aus, den die beiden Büros Reed & Stem und Warren & Wetmore gewannen.

Um mit dem Bau beginnen zu können, mussten zunächst 2,4 Millionen Kubikmeter Schutt aus dem Boden gehoben werden, welcher jeden Tag von über 300 Fahrzeugen wegbefördert wurde.

Über 10 000 Arbeitskräfte errichteten über 100 000 Tonnen Stahl und 53 Kilometer an Gleisen innerhalb der Gebäudestruktur, während unterhalb des Bahnhofs ein 800 Meter langer Tunnel gebaut wurde.

Während der Bauarbeiten (und während der alte Bahnhof noch stand) wurde die erste elektrische Eisenbahn in Betrieb gesetzt. Diese neue Technologie erlaubte es Wilgus auch eine unterirdische Plattform für ankommende Züge zu errichten.

Die Grand Central Station kurz nach der Fertigstellung 1913 (Creative Commons)

Die Grand Central Station kurz nach der Fertigstellung 1913 (Creative Commons)

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Der Kölner Dom

  • Von Jesco Puluj
  • Veröffentlicht 6. März 2016
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Heute stellen wir vom ArchitektenScout Ihnen den Kölner Dom vor. Bislang haben wir Ihnen zwar eine Reihe berühmter Architekten präsentiert aber wir finden es ist an der Zeit ein Gebäude für sich zu würdigen. Der Kölner Dom ist eine der imposantesten und beliebtesten Bauten des Landes und faszinierten durch seinen facettenreichen Baustil. Viel Spaß mit der ersten Teil unserer neuen Reihe!

Der Kölner Dom (Foto: Michael Rastetter via Flickr)

Der Kölner Dom (Foto: Michael Rastetter via Flickr)

Bauwerk der Superlativen: der Kölner Dom

Zunächst weiß der Kölner Dom mit imposanten Zahlen zu beeindrucken. Mit seinen 157 Metern Höhe ist er das zweithöchste Kirchengebäude Europas sowie das weltweit dritthöchste. 1996 wurde er von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und die Westfassade mit ihren 7100m2 Fläche ist unübertroffen. Darüber hinaus ist der Dom mit über sechs Millionen Besuchern im Jahr die beliebteste Sehenswürdigkeit Deutschlands und seine jahrhundertelange Baugeschichte faszinierte Baukunsthistoriker und Architekten gleichermaßen.

Tatsächlich zog sich der Bau der Kirche solange hin, dass bei Bauende im 19. Jahrhundert mit der Neugotik eine neue Kunstepoche begonnen hatte. Doch Schritt für Schritt…

Alter Dom und erste Bauperiode des Kölner Doms

Der Vorgängerbau des Kölner Doms war der Alte Dom (oder auch Hildebold-Dom). Er wurde im Jahre 873 geweiht und fungierte durch seine beiden Querhäuser als Vorbild für viele Kirche dieser Zeit. Zu Ende des 13. Jahrhunderts jedoch musst der Alte Dom dem Bauvorhaben eines neuen gotischen Doms (des späteren Kölner Doms) weichen, da mehr Platz benötigt wurde um die vielen Pilger unterzubringen.

Offizieller Baubeginn war am 15. August 1248 nach Vorbild der Kathedrale von Amiens nach einem Bauplan von Gerhard von Rile. Baumaterial war vorwiegend das Vulkangestein Trachyt, das in Deutschland damals in hohen Mengen im Siebengebirge zu finden war.

Bis zu Beginn des 14. Jahrhunderts kamen zu einigen Meilensteinen in der Baugeschichte des Doms:

  • Fertigstellung des Kapellenkranz (1265)
  • Altar der Domsakristei wird eingeweiht (1277)
  • Der „Fassandenriss F“ der Westfassade wird fertiggestellt (1280)
  • Die über 17 Meter hohen Fenster des Oberchores werden eingesetzt (1311)

Die Fenster bilden einen Glasmalerei-Zyklus ab, der zu den größten seiner Zeit gehört. Er besteht aus 48 Königen um die 2,25 Meter Höhe sowie die Heiligen Drei Könige samt Maria und dem Jesuskind.

Nachdem 1331 das Fundament für die südlichen Seitenschiffe des Langhauses ausgehoben wurde,  konnte 1389, also über hundert Jahre nach Baubeginn, die erste Messe gelesen werden.

Unter Dombaumeister Nikolaus van Bueren wurden dann die Glocken im Südturm eingehängt und durch die Großglocken ergänzt. Zwar fand dann 1500 noch die Grundsteinlegung des Nordturms statt aber dennoch bahnte sich mehr und mehr die Tatsache an, dass es nicht zu einer Vollendung des Baus kommen sollte. Grund dafür waren vor allem die nachlassenden Pilgerzahlen was die Finanzierung der Bauarbeiten erschwerte und so konnte der Baustopp 1560 nicht verhindert werden.

Was folgte waren über 300 Jahre in denen der Kölner Dom nach und nach verfiel. Zwar kam es im 18. Jahrhundert noch zu einer barocken Umgestaltung des Raumes im dem Ferdinand I. zum König gewählt wurde aber die französische Besatzung Kölns führte zu weiteren Beschädigungen.

Die Spitzen des Kölner Doms (Marco Verch via Flickr)

Die Spitzen des Kölner Doms (Marco Verch via Flickr)

Die Zweite Bauperiode des Doms

Wie wir alle wissen wurde der Dom nicht seinem Schicksal überlassen sondern zu einem der weltweit imposantesten Kirchengebäude ausgebaut. Wie kam es zu dieser Wendung?

Zum einen wurde 1816 der überarbeitete Fassadenplan des Dombaumeisters Arnold wiederentdeckt, was der Öffentlichkeit neue Hoffnung gab. Zum anderen stand der Dom als Symbol für die deutsche Einheit und die damaligen politischen Ströme sahen in dem unvollendeten Bau die Möglichkeit der Nation einen Aufschwung zu verpassen. Das katholische Lager war von diesen Absichten allerdings nicht so begeistert, da es befürchtete, der Dom könnte seine sakrale Bedeutung verlieren.

Dennoch wurde 1842 der Grundstein für die zweite Bauperiode es Doms gelegt und im Südturm eingemauert. Um die finanzielle Stabilität zu sichern wurde im selben Jahr der Zentral-Dombau-Verein zu Köln gegründet, der sich auch heute noch um die Renovierungskosten des Doms kümmert.

Tatsächlich wurde der Dom dann schon 1880 vollendet – über 600 Jahre nach Beginn der ersten Bauphase. Zur damaligen Zeit war der Dom damit das höchste Gebäude der Welt.

Da im Dom zu großen Teilen Sandstein verwendet wurden ist er sehr anfällig gegen Verwitterung weswegen zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Strebewerk am Chor des Domes erneuert werden musst.

Zudem erlitt der Dom schwere Bombentreffer im 2. Weltkrieg, brach aber dank des eisernen Dachstuhls nicht vollständig in sich zusammen. Ab 1956 war er wieder soweit restauriert, dass er wie gewohnt verwendet werden konnte.

Der Dom zu Kriegszeiten

Der Dom zu Kriegszeiten

Nachdem er 1996 zum Weltkulturerbe erklärt worden war wurde er 2004 auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt da auf der gegenüberliegenden Rheinseite der Bau von Hochhäusern geplant war. Dies Baupläne wurden inzwischen verworfen.

Architektonische Besonderheiten des Doms

Im Laufe seiner langen Bauzeit haben sich ein Vielzahl architektonischer Eigenheiten am Dom angesammelt. Schließlich wurde der Bau in der Gotik begonnen und in der Neugotik beendet.

Hier sind einige davon:

Dank der Skulpturen Ludwig Schwanthalers gilt die Südfassade des Doms als eines der bedeutendsten Werke der Neugotik.

Joseph Beuys half bei der Erneuerung der Türen nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs

Das 144 Meter lange Hauptschiff ist eines der weltweit längsten Kirchenschiffe.

Das Mittelschiff des Kölner Doms (Foto Thomas Robbins)

Das Mittelschiff des Kölner Doms (Foto Thomas Robbins)

Die Fenster des Doms spiegeln seine lange Entstehungsgeschichte deutlich wieder. Aus dem 13. Jahrhundert, aus dem 19. Jahrhundert aber auch aus der Neuzeit (das Richter-Fenster) sind hier Arbeiten zu finden.

Am besten machen Sie sich aber selber ein Bild indem Sie den Dom besichtigen oder sich das folgende Drohnenvideo zu Gemüte führen.

 

Die Fotos werden unter der Creative Commons Lizenz verwendet

Sozialer Wohnungsbau – Für ein Recht auf menschliches Wohnen

  • Von op
  • Veröffentlicht 4. März 2016
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Sozialer Wohnungsbau

Sozialer Wohnungsbau

Neben den so wichtigen Problemfeldern wie der Umweltschutz, die Energiewende oder die
Finanzkrise, hat sich ein soziales „Brennpunkt“ Thema schleichend, aber dennoch fast über Nacht
wieder in das Bewusstsein der Menschen zurückgemeldet. Bezahlbarer Wohnraum für alle. Denn
Wohnen ist ein elementares Bedürfnis und Mittel- und Ausgangspunkt des menschlichen Alltages.
Deutschland war in der Vergangenheit immer ein Garant dafür, wenn es um die Förderung des
sozialen Wohnungsbaus ging. „Sozialer Wohnungsbau“ hatte und hat immer zum Ziel, staatlich
geförderten Wohnraum für sozial schwache Gruppen zu schaffen, die auf dem freien
Wohnungsmarkt nur schwerlich ihren Wohnungsbedarf decken können. Sozialer Wohnungsbau ist
quasi eine Ergänzung einer Wohnbauförderung.
Mit dem Ausstieg der Förderung und der Abschaffung der Bindungen und Privilegien der
Wohnungsgemeinnützigkeit in den späten 1980 er Jahren, wurde dem Thema „Sozialer
Wohnungsbau“ immer weniger Bedeutung zugemessen. Wenn zu der Zeit ein Drittel sozial und
preislich gebundener Wohnraum zu einer ausgeglichenen Wohnungspolitik gehörte, hat sich die
Zahl der Sozialwohnungen seit der Wende im Jahr 1989 innerhalb von nur drei Jahren von 3,9
Millionen Sozialwohnungen auf rund 1,8 Millionen Wohnungen fast halbiert.
Die demographische Entwicklung (die veränderte Zusammensetzung der gesellschaftlichen
Altersstruktur) und die immer größer werdende Zahl der Menschen die vom Land in die Stadt ziehen,
lassen die Städte wohnungstechnisch aus allen Nähten platzen. Die Folge ist eine um sich greifende
Privatisierung mit der einhergehenden individuellen und nach oben offenen Preisskala, die die Miete
respektive den Mietspiegel aus den Fugen geraten lässt.
Jetzt, wo auch noch auf Europa respektive auf Deutschland eine nie geahnte Flüchtlingswelle zurollt
– von Menschen, die auch bezahlbaren Wohnraum benötigen – erlebt unsere soziale Errungenschaft
„Sozialer Wohnungsbau“ eine politische Renaissance. Endlich kommt die Politik auch außerhalb
ihrer Wahlkämpfe wieder darauf, sozial stabile Bewohnerstrukturen zu schaffen und sie in
Städteentwicklungskonzepte und in Sanierungskonzepte bedarfsfreundlich einzubinden. Mittlerweile
gibt es gute Beispiele, wo moderner „Sozialer Wohnungsbau“ vorbildlich praktiziert wird. Und das
nicht nur in den Städten, sondern auch in den Landkreisen und Kommunen.

Beispiel 1: Sozialer Wohnungsbau in Bielefeld

So verschieden die Menschen sind, so verschieden sind auch ihre Anforderungen und Möglichkeiten. In ihren Träumen von „Schöner Wohnen“ mit Fußbodenheizung, Kamin und elektrischen Rollos finden sie sich wohl alle gemeinsam wieder. Die Realität, mit einem Wohnberechtigungsschein (WBS) auf Wohnungssuche zu gehen, sieht anders aus. Dass Wohnraum mit höheren Standards auch für den sogenannten „Kleinen Mann von der Straße“ in den weniger beliebten Stadtteilen bezahlbar sein kann, zeigt die Stadt Bielefeld in eindrucksvoller Form. Das Musterbeispiel „Sozialer Wohnungsbau“ beschreibt ein exklusives Mietshaus, das ohne weiteres in einem feudalen Hochglanzmagazin angepriesen werden könnte. Elektrische Jalousien, Solarpanels auf dem Dach, hochwertige Sanitäranlagen im Bad, Parkettböden, sogar Schiefer im Hausflur. In diesem staatlich geförderten Mietshaus leben überwiegend kinderreiche Familien bei einem Quadratmeterpreis von weniger als 6 Euro. Die Idee des Architekturbüros war so genial wie simpel: Auch Menschen mit niedrigem Einkommen haben ein Recht auf Wohnen mit Wohlfühleffekt. Kostengünstiges Bauen mit hohen ökologischen Standards birgt Nachhaltigkeit und die Lust bei den Mietern, pfleglich mit ihrem Wohnraum umzugehen. Wie wahr!

Beispiel 2: Sozialer Wohnungsbau in Hamburg

Ein weiteres Beispiel wo Stadtplaner dazugelernt haben, zeigt das „Hamburger Model“ der Hansestadt Hamburg. Eine Stadt, in der die Mieten jährlich ins Unermessliche explodieren. Der Wahlkampf 2011 war anscheinend die Zündung für das Wahlversprechen, dass zukünftig von den 6.000 geplanten Neubauwohnungen, 2.000 Wohnungen im Bereich „Sozialer Wohnungsbau“ gebaut werden sollen. Die Stadt bietet den Bauherren einen Finanzierungszuschuss von sage und schreibe bis zu 90 Prozent an. Bei einem Darlehenszins von nur 1,2 Prozent. Zudem beteiligt sich die Stadt Hamburg bei der monatlichen Miete mit 1,30 Euro pro Quadratmeter. Im Gegenzug darf der Eigentümer vom Mieter nicht mehr als eine Anfangsmiete von 5,90 Euro verlangen. Diese Mietpreisbindung gilt für mindestens 15 respektive 20 Jahre.
Das sogenannte „Hamburger Modell“ hat auch im Rest der Republik ein großes Interesse geweckt.

Beispiel 3: Sozialer Wohnungsbau Ibbenbüren

Auch in dem kleinen Städtchen Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen trifft man auf neue Impulse im Sozialen Wohnungsbau. Sie sind nicht zuletzt auch der Tatsache geschuldet, dass derzeit 600 Asylbewerber dezentral in 30 Unterkünften untergebracht sind. Man erwartet eine Bleiberechtsquote von etwa 60 Prozent. Neben dem regulären Bedarf wird zukünftig ein sozialer Wohnraum von 20.000 Quadratmetern benötigt. Die Stadt Ibbenbüren hält ein Bündel an Perspektiven für öffentliche Wohnbauförderung bereit. Die Inhalte sind schwerpunktmäßig an potenzielle Investoren gerichtet die auf positiv geänderte rechtliche Rahmenbedingungen stoßen. Ibbenbüren gibt ein vorbildliches Beispiel dafür ab, dass das Umdenken kluger Stadtväter und -kämmerer die einzig richtige Vorgehensweise für das Reformieren des Sozialen Wohnungsbaus im Sinne etwas weniger verdienender Menschen ist.

Ausblick auf den Sozialen Wohnungsbau der Zukunft

Die derzeitigen Herausforderungen der Genossenschaften, einen sozial verträglichen, und somit erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, sind immens groß. Neuzeitliches Wohnen für alle zugänglich zu machen birgt unser Augenmerk darauf zu richten dass Wohnungen modernisiert, und ganze Häuser von Grund auf verändert werden. Und das zu einem bezahlbaren Mietpreis. Ein kritischer Blick zurück beinhaltet immer auch den Blick nach vorn. Die sich stetig verändernde Bevölkerungsentwicklung wird uns die nötigen und notwendigen Vorgaben aufzeigen. Unwachsamkeit sollte dem Gestern angehören!

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