Die Grand Central Station

  • Von Jesco Puluj
  • Veröffentlicht 8. März 2016
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Heute stellen wir vom ArchitektenScout Ihnen die Grand Central Station in New York vor – den größten Bahnhof der Welt. Dies ist der zweite Teil unserer Reihe „Gebäudeporträts“. Im ersten Teil hatten wir Ihnen den Kölner Dom vorgestellt.

Grand Central Station

Die Grand Central Station (Foto: Eric Baetscher CC 3.0)

Die Grand Central Station – ein Bahnhof der begeistert

De Grand Central Station in New York zählt mit ihren 67 Gleisen als größter Bahnhof der Welt. Doch sie hat noch viel mehr zu bieten als Superlativen, weswegen wir Ihnen das imposante Bahnhofsgebäude heute mit all seinen Details vorstellen möchten. Vorweg schon einmal einige Fakten:

  • Verteilt sich auf 48 Hektar
  • Beinhaltet 44 Bahnsteige (mehr als jeder andere Bahnhof weltweit)
  • Ist im Privatbesitz von Midtwon TDR Ventures
  • Befindet sich an der 89 East 42nd Street Park Avenue, New York
  • Erbaut von den Architekturbüros Reed and Stem sowie Warren and Wetmore
  • Über 20 Millionen Touristen besichtigen den Bahnhof im Jahr
  • Im Beaux-Arts-Stil erbaut

Die Baugeschichte

Bevor es zum Bau des heutigen Bahnhofs kam, wurde 1871 in New York der Zugbahnhof Grand Central Depot errichtet, welcher 1899-1900 auf sechs Stockwerke erweitert und in Grand Central Station umbenannt wurde. Allerdings kam es 1902 zu einem Zugunfall innerhalb des Terminals, der 15 Menschen das Leben kostete. Dies führte den damaligen Haupt-Ingenieur William J. Wilgus dazu einen kompletten Neubau des Bahnhofs vorzuschlagen, der elektrischen Zügen (anstatt der damals üblichen Dampfzüge) vorbehalten sein sollte.

Tatsächlich wurde 1903–1913 die damalige Grand Central Station komplett niedergerissen und durch das heutige Bahnhofsgebäude, das Grand Central Terminal, ersetzt. Der ursprüngliche Name wird im Volksmund aber bis heute weiterverwendet.

Bevor es jedoch zum Baubeginn kam stand Wilgus, der nun Hauptverantwortlicher des Baus war, vor einer großen Herausforderung: Wie konnte er den Bau des neuen Gebäudes und den Abbruch des alten so vollziehen, dass der Zugbetrieb nicht vollkommen eingestellt werden musste?

Die Lösung bestand darin den Betrieb teilweise auf das nahgelegene Grand Central Palace Hotel umzulagern, während das alte Gebäude abgerissen und das neue erbaut wurde. Diese Vorgehensweise verdoppelte die Baukosten aber ermöglichte es, den Zugbetrieb fortführen zu können.

Design-Wettbewerb und Bauarbeiten

Zu dieser Zeit wurde mit der Pennsylvania Station ein weiteres Bahnhofsgebäude in New York errichtet und Wilgus hatte es sich zum Ziel gesetzt es zu übertrumpfen. Deswegen schrieb er einen Wettbewerb aus, den die beiden Büros Reed & Stem und Warren & Wetmore gewannen.

Um mit dem Bau beginnen zu können, mussten zunächst 2,4 Millionen Kubikmeter Schutt aus dem Boden gehoben werden, welcher jeden Tag von über 300 Fahrzeugen wegbefördert wurde.

Über 10 000 Arbeitskräfte errichteten über 100 000 Tonnen Stahl und 53 Kilometer an Gleisen innerhalb der Gebäudestruktur, während unterhalb des Bahnhofs ein 800 Meter langer Tunnel gebaut wurde.

Während der Bauarbeiten (und während der alte Bahnhof noch stand) wurde die erste elektrische Eisenbahn in Betrieb gesetzt. Diese neue Technologie erlaubte es Wilgus auch eine unterirdische Plattform für ankommende Züge zu errichten.

Die Grand Central Station kurz nach der Fertigstellung 1913 (Creative Commons)

Die Grand Central Station kurz nach der Fertigstellung 1913 (Creative Commons)

Eröffnung des neuen Terminals 

Am 2. Februar 1913 wurde das Grand Central Terminal eingeweiht und konnte innerhalb von 16 Stunden schon 150 000 Besucher verbuchen.

Der Bahnhof war deutlich größer als die Pennsylvania Station (welche bereits geöffnet hatte) und war dank seiner Baukosten von 43 Millionen Doller auch deutlich komfortabler. So gab es Warteräume mit eichernen Fußböden (welche den Frauen vorbehalten waren); Telefonräume, Umzugsräume, einen Haarsalon und Privaträume. Die Tourismusabteilung des Bahnhofs lobte ihn als „einen Ort an dem schüchterne Reisenden Fragen stellen können ohne von hastigen Zugbegleitern angeschnauzt zu werden … es ist ein sicherer und willkommen heißender Ort für Menschen aller Kulturen – ein Gedicht aus Steinen.“

Grand Central Zone

Die Umgebung rund um den Bahnhof wurde zur „Grand Central Zone“ erklärt, einer Art Mini-Stadt voller Luxushotels und neu erbauter Bürogebäude. Dadurch wurde diese Gegend zum kommerziell interessantesten Bereich Manhattans.

Der Fernsehkanal CBS Television hatte sogar zwei seiner Fernsehstudios inmitten des Bahnhofgebäudes und von 1922 bis 1958 gab es dort auch Kunstgalerien zu besichtigen. In diesen Jahrzehnten wurde das Gebäude zur kommerziellen Nutzung immer weiter ausgebaut und dort sogar eine Kunstschule untergebracht.

Abrissgedanken

Obwohl ein großer Teil der gesamten amerikanischen Bevölkerung das Grand Central Terminal benutzte, hatte es in den 1950er Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten und Abrissgedanken zu kämpfen. Autobahnen wurden immer beliebter und das Grundstück des Bahnhofs in bester Manhattan-Lage gewann dagegen immer mehr an Wert. Doch hier zahlte sich Wilgus‘ Cleverness aus. Er hatte das Gebäude so errichten lassen, dass es möglich war es mit einem Bürogebäude „aufzustocken“ anstelle es abreißen zu müssen.

Zudem hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet, die sich vehement gegen den Abriss wehrte und von der Präsidentenwitwe Jacqueline Kennedy unterstützt wurde. Zum 100. Geburtstags des Bahnhof vor 3 Jahren wurde die Geschichte auch noch einmal sehr detailliert in diesem Artikel von Welt.de aufbereitet.

So wurde die Grand Central Station 1963 um das MetLife Building ergänzt, einem 59-stöckigen Wolkenkratzer, der damals das größte Bürogebäude der Welt war.

Der MetLife Tower auf dem Terminal (Foto: Beyond My Ken)

Der MetLife Tower auf dem Terminal (Foto: Beyond My Ken)

Restaurationen und Ausbau

Trotz der seiner lukrativen Immobilien-Deals wurde auch die Grand Central Station hart von der Finanzkrise getroffen. Trotzdem konnte es in den 70er Jahren dank der Renovierung des Commodore Hotels durch Donald Trump gerettet werden.

1994 wurde dann mit massiven Renovierungsarbeiten begonnen bei denen unter anderem sämtliche Werbeflächen abgenommen wurden und der ursprüngliche Gepäckraum abgebaut  wurde.

Die Außenfassade wurde gesäubert und renoviert und die Fenster wurden von der schwarzen Farbe befreit, die im 2. Weltkrieg den Lichtfluss eingeschränkt hatte.

Einfluss der Central Station auf die Moderne

Die Central Station ist ein Vorzeigebau der Bahnhofsarchitektur, das bis Architekten noch bis heute inspiriert. Weltweit bekannt ist das Gebäude auch durch seinen häufigen Gebrauch in Hollywood-Produktionen. Hier einige der bekanntesten Filme, die den Bahnhof zur Schau stellen:

  • The Avengers
  • Vergiss mein nicht (Eternal Sunshine on a Spotless Mind)
  • Hugeo
  • I am Legend
  • Madagascar
  • North by Northwest
  • Men in Black
Kulisse vieler Hollywood-Film: Central Station von Innen (Foto: Ingfbruno Creative Commons)

Kulisse vieler Hollywood-Film: Central Station von Innen (Foto: Ingfbruno Creative Commons)

Falls Sie dieses Jahr keine Reise in die USA geplant haben empfehlen wir dieses Video um einen kleinen Einblick zu gewähren (in englischer Sprache)

 

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