Berühmtheiten der Architektur: Richard Rogers

  • Von Jesco Puluj
  • Veröffentlicht 21. April 2015
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Richard Rogers

Richard Rogers mit der Queen (Quelle: Wikimedia)

In unserer Reihe „Berühmtheiten der Architektur“ stellen wir vom ArchitektenScout Ihnen die Stars der Architekturszene vor: Architekten, Architektenbüros, außergewöhnliche Bauwerke — alles was das Architekten-Herz begehrt.

In unserem heutigen Artikel stellen wir Ihnen den britischen Star-Architekten Richard Rogers vor.

Richard Rogers — ein Kurzporträt

Richard Rogers ist ein britischer Architekt, der durch seine modernen und funktionalistischen Gebäude berühmt wurde — insbesondere für die Gestaltung des Centre Pompidou in Paris. Darüber hinaus ist er für eine Reihe weiterer ikonischer Bauten verantwortlich, wie etwa dem Millennium Dome und das Lloyd’s Building in London oder dem Europäischen Gerichtshof in Straßburg. Er ist Preisträger von mehreren bedeutenden Auszeichnungen der Architekturszene, wie etwa dem Pritzker Preis oder der Thomas Jefferson Medaille und wurde 1991 von der britischen Königin zum Ritter geschlagen. Inzwischen trägt er den Titel Baron Rogers of Riverside.

Rogers macht sich viele Gedanken über die Zukunft der Stadtgestaltung und warnt vor Umweltproblemen und sozialen Konflikten in den Zentren der größeren Städte. Er befürchtet, dass sich die Vergrößerung der Lücke zwischen Arm und Reich auch darin widerspiegeln wird, wieviel Platz die Menschen in Zukunft zum Wohnen haben werden. So sagte er einmal, dass es ein Gesetz geben solle, dass es jedem Menschen garantiert aus seinem Fenster aus auf einen Baum schauen zu können.

Von Rogers stammt auch das Zitat: „Für mich ist die Architektur nicht so sehr wie einstudierte Musik, sondern eher wie Jazz oder Poesie, in der die Improvisation eine große Rolle spielt.“

 Hier noch ein paar wichtige Fakten:

  • Geburtsdatum: 23.7.1933 (in Florenz)
  • Hat an der Yale School of Architecture studiert
  • Sein Büro heißt Rogers Stirk Harbour + Partners
  • Gründete das Büro Team 4a mit Norman Foster
  • Ist Autor zahlreicher Bücher über Architektur
  • Ist Teil der Jury des Pritzker Preises

Ein Architekt definiert sich über die Bauwerke, die er ins Leben ruft, weswegen wir Ihnen jetzt einige der wichtigsten Kreationen von Rogers vorstellen.

Das Centre Pompidou

Centre Georges Pompidou

Centre Georges Pompidou (Foto: Vixsjohnon / Depositphotos.com)

Das Centre Pompidou ist ein ikonisches Kulturzentrum im 4. Arrondissement von Paris und machte Rogers in der Architekten-Szene schlagartig bekannt. Er gewann den Wettbewerb u.a zusammen mit Renzo Piano, von dem er sich nach diesem Erfolg jedoch trennte um sein eigenes Planungsbüro zu gründen.

Das Centre Pompidou wurde 1971 bis 1977 erbaut und sticht dadurch heraus, dass die Gebäudetechnik, wie Tragwerk und Rohre, außen sichtbar angebracht sind. Mittels Farbkennzeichnung werden die verschiedenen Funktionen voneinander unterschieden: Die Elektrik ist gelb, Treppen und Rolltreppen sind rot, Wasserohre sind blau und Belüftungsrohre sind grün. Der Sinn dahinter ist die Nutzungsfläche im Innern besonders großzügig und flexibel zu gestalten, da kaum Stützen benötigt werden. Diese ungewöhnliche Konstruktionsweise war damals sehr umstritten, da sich die Pariser Bürger an Fabriken erinnert fühlten und die Gestaltung schlichtweg unattraktiv fanden. Das Gebäude wurde als „Rückseite eines Kühlschranks“ verhöhnt und als ein „Gerüst und kein Gebäude“ bezeichnet. Tatsächlich war es jedoch genau diese Konstruktion mit der Rogers, Piano und Gianfranco Franchini sich unter 681 Einreichungen durchsetzten—es war sonst niemandem gelungen das Gebäude so klein zu gestalten, dass die Hälfte des Grundstücks als öffentlicher Platz genutzt werden konnte.

Im Innern befindet sich eine öffentliche Bibliothek (Bibliothèque Publique Information) mit über 400.000 Medien, ein Musikforschungszentrum (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique), sowie zahlreiche weitere Kultureinrichtungen, eine Buchhandlung, und gastronomische Betriebe.

Weitere Fakten über das Centre Pompidou

  • Jährliche Besucheranzahl: 3,8 Millionen
  • Hat eine Außenstelle in Metz
  • 165 Meter lang, 60 Meter breit, 42 Meter hoch
  • Baukosten: ca. 76 Millionen Euro
  • 7 Stockwerke hoch

Das Lloyd’s Building

von der anderen Perspektive fotografiert Lloyd's Building

von der anderen Perspektive fotografiert Lloyd’s Building

(Foto: pathastings / Depositphotos.com)

Das Lloyd’s Building wurde im Auftrag der Englischen Traditionsversicherung Lloyd’s of London von Richard Rogers entworfen und innerhalb von acht Jahren in Londons Finanzzentrum errichtet. Es ist ein Vorzeige-Exemplar des sogenannten „Bowellism“, einem Architekturstil, bei dem die Infrastruktur des Gebäudes (wie etwas Aufzüge und Rohre) nach außen verlegt werden. Rogers hatte sich mit diesem Stil schon den Wettbewerb für das Centre Pompidou gewinnen können (wie oben beschrieben) und erlangte auch mit dem Lloyd’s Building internationale Anerkennung. Es wurde von English Heritage als „eine der wichtigsten Bauten der modernen Epoche“ bezeichnet und es wurde auf die prestigeträchtige „Grade 1“-Liste in England aufgenommen. Das bedeutet, dass es ohne Spezial-Genehmigung nicht zerstört, erweitert oder modifiziert werden darf.

Im letzten Jahr kam es allerdings zu Spekulationen, dass Lloyd’s nicht mehr so zufrieden mit dem Gebäude wäre, da die Reparaturkosten für die Infrastruktur aufgrund der Witterung zu hoch wären. Rogers Kommentar hierzu: „Das Gebäude ist eben so entworfen, dass die Infrastruktur außen ist damit Lloyd’s Wunsch entsprochen werden konnte, einen größtmöglichen Raum für vermietbare Büroflache zu schaffen. Der ursprüngliche Auftrag von Lloyd’s war es, ein Gebäude mit maximaler Flexibilität zu schaffen, das sie bis ins nächste Jahrhundert begleiten würde. Das haben wir erreicht.“

Kerndaten Lloyd’s Building

  • 1978-1986 errichtet
  • Treppen, Lifte und Versorgungsleitungen außen angebracht.
  • 76 Meter hoch
  • 14 Stockwerke
  • Baukosten: 75 000 000 Pfund
  • Kulisse zahlreicher Hollywoodfilme (z.B Guardians of the Galaxy)
  • Aktueller Eigentümer ist Ping an Insurance

 

 

 

 

 

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