Zum ersten Mal Bauherr—alles was man wissen muss

  • Von Jesco Puluj
  • Veröffentlicht 10. Juli 2015
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Ein wahres Abenteuer: der Hausbau(Gina Sanders / Fotolia)

Ein wahres Abenteuer: der Hausbau (Gina Sanders / Fotolia)

Wer sich dazu entschlossen hat als Bauherr tätig zu werden, steht vor einer Reihe schwieriger Entscheidungen und Fragen. Was sind die ersten Schritte? Mit welchen Dienstleistern möchte ich zusammenarbeiten? Was für Kosten kommen auf mich zu? Wie in unserem umfassenden Artikel über den Hauskauf liefern wir Ihnen auch hier einen detaillierten Überblick über ein wichtiges Thema der Immobilienbranche.

Inhalt

Literatur

Ein Haus zu bauen ist ein komplexes Thema, weswegen wir Ihnen raten, sich über diesen Blogpost hinaus zu informieren. Es gibt einige ausgezeichnete Bücher, die wir hierfür empfehlen und die uns beim Erstellen dieses Artikels sehr geholfen haben:

Unser Bauherren-Handbuch: In sieben Schritten ins eigene Haus

Dieses Buch von der Stiftung Warentest ist mit 384 Seiten sehr umfangreich. Das ist zum einen von Vorteil, da Sie wirklich umfassend informiert werden, auf der anderen Seite hätte es auch etwas straffer und prägnanter geschrieben werden können ohne seine Aussagekraft zu verlieren. Dennoch: sehr empfehlenswert!

Wir planen und bauen unser Haus: Das große Buch vom Hausbau

Auch dieser Ratgeber berichtet in großem Umfang von den Hürden eines jeden Bauherren. Sein Schwerpunkt liegt auf den Phasen vor dem eigentlichen Hausbau. Eine gute Grundlage!

Kostenfalle Hausbau: Pfusch vermeiden – Baukosten sparen

Diese Ratgeber beschäftigt sich vor allem mit der Frage wie der Bauherr beim Hausbau Kosten sparen kann und wie man unnötig hohe Ausgaben vermeidet. Wir empfehlen ihn aufgrund der hohen Anzahl an Infos, die einem wirklich Geld sparen helfen. 

Die ersten wichtigen Entscheidungen

Sie haben sich also dafür entschieden Bauherr zu werden? Glückwunsch! Ihnen steht eine spannende Zeit bevor, die nach einigen Hürden in Ihrem Traumhaus enden wird. Die Betonung liegt jedoch zunächst auf „Hürden“—schließlich gehen wir davon aus, dass Sie zum ersten Mal als Bauherr tätig werden und das bedeutet, dass einige Herausforderungen vor Ihnen stehen. Die ersten Herausforderungen die auf Sie warten, treten in der Form von Entscheidungen auf. Als Bauherr müssen Sie eine Entscheidung nach der anderen treffen und in diesem Abschnitt möchten wir Ihnen die ersten wichtigen Entscheidungen präsentieren, die auf Sie als frisch startenden Bauherren warten.

Die Lage des Grundstücks

Um ein Haus bauen zu können müssen Sie zunächst ein Grundstück erwerben. Die große Frage hierbei lautet: Wo soll das Grundstück liegen? Auf welche Faktoren ist zu achten? Ein klassischer Faktor hierbei ist die Entfernung zu häufig besuchten Orten und Einrichtungen wie Schule, Kindergarten, Arbeitsplatz und Einkaufsmöglichkeiten. Schließlich ist es nicht nur eine Frage des Zeitsparens wenn man nur kurze Strecken zurückzulegen hat, sondern es spart auch Geld. Dieses Wissen ist bei der Grundstückswahl deswegen so wichtig da Sie Ihre künftigen Lebenserhaltungskosten kalkulieren müssen um die Höhe des benötigen Kredits ermitteln zu können. Überhaupt ist es wichtig zu wissen, wie hoch ihre zukünftigen Kosten sein werden da es Ihnen die Entscheidungsfindung stark erleichtern wird. So könnte es sein, dass Sie beim Grundstücksvergleich ein Grundstück ausmachen, bei dem Arbeitsplatz und Schule (bzw. Kindergarten etc.) in entgegengesetzter Richtung liegen. Dies würde möglicherweise bedeuten, dass Sie ein zweites Auto benötigen oder wegen der zusätzlichen Fahrwegen höhere Beförderungskosten aufkommen. Ein solches Bewusstsein kann die Grundstückswahl enorm erleichtern.

In Zusammenhang mit der Wahl des Grundstücks steht selbstverständlich auch der Ort bzw. die Stadt in der es sich befindet. Je nachdem ob Sie Kinder haben und in welchem Alter Sie sich befinden, kann die Wahl des Ortes Ihre Lebensqualität und die Lebensunterhaltungskosten enorm beeinflussen. Entscheiden Sie sich etwa für einen ruhigen Ort und haben mehrere Kinder, so können Sie damit rechnen, dass diese früher oder später die Freizeitmöglichkeiten in den größeren Städten der Umgebung aufsuchen wollen. Neben den Fahrtkosten kann dies auch einiges an Nerven kosten, denken Sie also auch hier im Voraus was Ihre Bedürfnisse und die Ihrer Familie nicht nur im kommenden Jahr sondern auch im kommenden Jahrzehnt sein werden. Ihr Haus wird schließlich möglicherweise Ihr ganzes Leben lang Ihr Zuhause sein.

Die nächste Wichtige Entscheidung ist die Grundstücksgröße, die sich natürlich an der Größe des Hauses orientiert. Allerdings kann ein Grundstück auch weitaus größer sein als das Haus um einen geräumigen Garten bieten zu können. Zum einen ist es demnach wichtig Ihre Bedürfnisse zu ermitteln (z.B ob es Ihnen wichtig ist sich sonnen zu können oder Ihre Kinder Fußballspielen zu lassen) zum anderen wirkt sich die Größe des Grundstücks stark auf Ihr Budget aus.

In Zusammenhang mit Grundstück ist zudem wichtig nach welchen Himmelsrichtungen es ausgerichtet ist und in welche Himmelsrichtungen das Haus platziert werden soll. Schließlich wollen Sie es so arrangieren, dass die Sonne dann in den Garten einfällt wenn Sie ihn am häufigsten nutzen. Machen Sie sich also im Vorhinein bewusst, wie sich die Sonneneinstrahlung auf Ihre Lebensqualität auswirken wird. Nicht jeder will z.B frühmorgens von der Sonne geweckt werden.

Die nächste wichtige Entscheidung, die Ihnen als Bauherr bevorsteht ist die Wohnfläche. Bevor es soweit ist, dass Sie sich mit einem Architekten Gedanken über die Größe des Hauses und all seine anderen Eigenschaften machen können, sollte Ihnen bewusst sein, wieviel Fläche Sie brauchen. Um das herauszufinden lohnt es sich Ihre aktuelle Wohnsituation zu begutachten. Schließlich bietet Ihnen das neue Haus die Möglichkeit, die Wohnqualität zu erleben, die Ihnen Ihre gegenwärtige Bleibe nicht bietet.

Hier eine Liste von Faktoren und Fragen, die Ihre zukünftige Wohnfläche mitbestimmen:

  • Brauchen Sie einen Wintergarten?
  • Möchten Sie viel Zeit auf Balkon oder Terrasse verbringen?
  • Ist die Raumhöhe Ihrer gegenwärtigen Unterkunft ausreichend?
  • Gibt es spezielle Zimmer oder Räume, die Sie benötigen? (Hobbyraum, Sauna, Sportraum etc.)
  • Wieviele Personen werden in den nächsten Jahren in Ihrem Haus wohnen?
  • Wie groß sind die Möbel, die Sie in dem Haus unterbringen wollen? Planen Sie raumintensive Anschaffungen wie ein Piano oder eine Sauna?
  • Wieviel Zeit verbringen Sie in den Räumlichkeiten und wie oft sind Sie im Garten bzw. verreist?
  • Wieviele Schlafzimmer benötigen Sie?
Je größer die Familie, desto höher die Anforderungen an das Haus (drubig-photo / Fotolia)

Je größer die Familie, desto höher die Anforderungen an das Haus (drubig-photo / Fotolia)

Wo wir gerade beim Stichpunkt Schlafzimmer sind: Uns ist ein Fall bekannt wo ein Paar beim Architekten mit der Frage nach der Schlafzimmer-Anzahl konfrontiert wurde und der Ehemann seiner Gattin dort erst offenbarte, dass er gerne sein eigenes Schlafzimmer hätte… Sie sehen demnach, wie wichtig es ist, die eigenen Bedürfnisse so früh wie möglich zu erkunden. Vor allem sind viele Bauherren Paare mit Kindern und dementsprechend gibt es viele Bedürfnisse abzuklären. Tatsächlich ist die wichtigste Phase des Hausbaus die Planungsphase in der die Bauherren gemeinsam mit dem Architekten Schritt für Schritt alles Details abklären, die im Nachhinein den großen Unterschiede zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. Auf die Beziehung Bauherr–Architekt gehen wir in einem späteren Abschnitt noch genauer ein.

Gebäudetypen

Auch wenn die meisten Bauherren sich ein freistehendes Einzelhaus wünschen ist dies aufgrund beschränkter Budgets nicht immer möglich. Um Grundstückskosten zu sparen ist es deswegen eine Alternative eine Doppelhaushälfte an ein bereits bestehendes Haus anzubauen. Wer sich noch mehr Geld für ein Grundstück sparen will kann auch statt eines Hauses eine Wohnung bauen, als Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Dann kann man immer noch auf einen geräumigen Garten zugreifen, muss diesen allerdings mit den anderen Eigentümern teilen.

Grundriss

Eine weitere der ersten wichtigen Entscheidungen ist der Grundriss des Hauses. Auch hier ist es wichtig sich über die Bedürfnisse und die Zusammenstellung der künftigen Hausbewohner im Klaren zu sein. So bevorzugen manche Familien etwa Küche und Wohnbereich zusammenzufassen (Wohnküche) und das Wohnzimmer eher klein zu gestalten. Die Frage, die sich zudem stellt ist wie deutlich die einzelnen Räume voneinander getrennt sein sollen und ob die Grundrisse eher offen gestaltet werden sollen. Die würde bedeuten, dass die Wohnbereiche nicht durch Wände komplett voneinander getrennt sind und es weniger geschlossene Rückzugsräume gibt.

Wieviele Geschosse?

Wieviele Geschosse dürfen es sein? Dies ist eine weitere klassische Frage die einen Bauherren zu Beginn der Planungsphase beschäftigt. Aufgrund er steigenden Grundstückspreise werden Einfamilienhäuser meist zweigeschossig errichtet und wenn die der Raumbedarf groß und das Budget niedrig ist, ist eine dreigeschossiges Haus auch eine Alternative. Dies bedeutet allerdings, dass viel Treppensteigen angesagt ist. Auch hier gilt es dann Vorauszuplanen. Das Treppensteigen mag Ihnen jetzt noch keine Mühe bereiten aber wenn Sie vorhaben auch im hohen Alter noch in dem Haus zu wohnen, dann ist es erstrebenswert möglichst wenig Treppen steigen zu müssen. Bestenfalls entwerfen Sie das Haus so, dass sich alle für Sie wichtigen Räume im Erdgeschoss befinden (Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer) und die Räume, die Sie später nicht so häufig brauchen werden im Obergeschoss (Kinderzimmer, Gästezimmer).

Dachform

Auch die Dachform muss wohl überlegt sein, schon allein weil sie das Erscheinungsbild es Hauses deutlich prägt. Allerdings ist man hierbei als Bauherr oft eingeschränkt, da die örtliche Baukommission ihre ganz eigene Vorstellungen haben kann, was für Dachformen erlaubt sind. So sind in manchen Gegenden etwa nur Flachdächer erlaubt und wer dennoch sein Wunschdach durchsetzen will muss ich auf einen lästigen Gerichtsprozess einstellen.

Einen guten Artikel zur Dachwahl finden Sie auf dem Portal derbauherr.de.

Solarzellen auf dem Dach (Smileus / Fotolia)

Solarzellen auf dem Dach (Smileus / Fotolia)

Keller

Keller: ja oder nein? Der Keller hat sich so sehr als Abstellraum etabliert, das kaum ein Bauherr ernsthaft darüber nachdenkt ob er ihn auch wirklich braucht. Tatsächlich ist der Bau eines Kellers nämlich ein enormer Kostenfaktor und in vielen Fällen ist so viel Abstellraum gar nicht vonnöten um einen Keller erforderlich zu machen. Statt eines Kellers können auch Abstellkammern genauso nützlich sein, zudem haben Sie aufgrund Ihrer Dachwahl womöglich die Option einen Speicher als Abstellraum zu nutzen oder Sie bauen einen Schuppen im Garten.

Die Einliegerwohnung

Die Einliegerwohnung ist eine hervorragende Möglichkeit um mittels einer zusätzlichen Einnahmequelle Ihren Kredit schneller abbezahlen zu können. Bei der Einliegerwohnung handelt es sich um eine Wohnung, die zwar in das Haus mit eingebaut wird aber über einen seperaten Zugang verfügt und deswegen an Außenstehende vermietet werden kann. Wer sie nicht vermietet will, kann sie auch nutzen um die Großeltern oder die erwachsenen Kinder unterzubringen. Ziehen Sie den Bau einer Einliegerwohnung also ernsthaft in Erwägung. Insbesondere wenn Sie in einer Stadt mit Wohnungsknappheit bauen, sind die zu erwartenden Mieteinnahmen lukrativ.

Nachhaltig denken

Ganz wichtig ist bei der Planung des Hauses nicht nur auf die Kosten zu achten, die durch den Bau entstehen, sondern auch wie hoch die Unterhalts- und Wirtschaftskosten sein werden sobald Sie eingezogen sind. Die Auswahl der Gebäudetechnik und der Baumaterialien hat schließlich einen starken Einfluss darauf, wie hoch etwa Ihre Energiekosten sein werden. Ein extremes Beispiel hierfür ist das Plusenergiehaus, das wir in einem früheren Post bereits vorgestellt haben. Hierbei handelt es sich um einen Gebäudestandard, bei dem das Haus selber am Ende des Jahres mehr Energie produziert als es durch externe Energiequellen verbraucht. Dies gelingt durch die Nutzung von Solarenergie oder auch durch einen besonders ausgeklügelten Wärmeschutz. Auch wenn bei solchen Häusern die ursprünglichen Investitionskosten aufgrund der hochpreisigen Technologie und Materialien deutlich höher als bei herkömmlichen Bauten sind, können sie sich langfristig mittels der Energieeinsparungen amortisieren. Allerdings ist das Thema eine Wissenschaft für sich–Sie sollten also Freude und Interesse für das Gebiet der nachhaltigen Architektur mitbringen.

Wir empfehlen Ihnen auch unseren Artikel zum Thema Passivhaus, der einen weiteren Energiestandard des nachhaltigen Bauens erläutert.

Wir wollen Sie nicht abschrecken, aber wenn Sie sich für energiesparendes Bauen entscheiden, kommen einige zusätzliche Entscheidungen auf Sie zu—so werden Sie etwa andere Aspekte des Hauses noch einmal in anderem Licht betrachten. Wollen Sie Ihr Haus z.B mit passivem Strom über Solarflächen versorgen dann lohnt es sich ein Dach zu wählen, das den Zellen eine entsprechend große Fläche bietet.

Materialwahl

Wie schon im vorherigen Abschnitt angedeutet, kann es sich sehr lohnen, viel Geld in das Baumaterial zu investieren, da es sich langfristig rechnet. So gilt: je hochwertiger die Materialien, desto länger halten sie dann auch und eine Sanierung wird viel später fällig. Dann stellt sich Ihnen noch die Frage ob sie ökologisch Bauen wollen, sprich ob Sie Baustoffen verwenden wollen, die bei der Gewinnung wenig Energie verbrauchen sogar nachwachsen können wie z.B Holz. Sowieso werden viele „Billig-Baustoffe“ als gesundheitsschädlich entlarvt, weswegen manche Materialien die früher nur in Öko-Häusern zu finden waren heute bereits gang und gäbe sind.

Selbstverständlich wird von Ihnen als „frischen“ Bauherren nicht erwartet, dass Sie sich umfassend über die Eigenschaften der verfügbaren Baumaterialien informieren aber wir empfehlen dennoch eine entsprechende Neugier mitzubringen, wenn sie mit Architekten und anderen Dienstleistern der Baubranche Gespräche führen. Schließlich wollen Sie mitreden können und auch Vorschläge in Frage stellen können.

Wohnkomfort

Beim Thema Wohnkomfort heißt es wiedermal: Machen Sie sich bewusst, was für Anforderungen Sie an Ihr neues Heim haben. Ein wichtiges Thema ist hierbei der Schallschutz. Dabei gilt es sich vor zwei Typen von Geräuschquellen zu schützen: Geräusche von außerhalb (wie etwa Straßenlärm) und Geräusche von innerhalb wie etwa das Musik hörende Kind. Um sich vor Lärm von außen zu schützen kann es schon ausreichend sein, die Haupt-Aufenhaltsräume so zu legen, dass sie von den Lärmquellen möglichst weit entfernt sind. Wenn das nicht ausreicht, muss auf zusätzlichen Schallschutz wie etwa Schallschutzfenster zurückgegriffen werden. Schallschutz in den Wände ist wiederum wichtig um die Geräuschquellen innerhalb des Hauses nicht in die angrenzenden Räume dringen zu lassen.

Auch ein Hitzeschutz kann durchaus vonnöten sein, damit Sie den von Ihnen gewünschten Wohnkomfort erreichen. Deswegen ist es wichtig bei der Grundstücksauswahl zu recherchieren wie die Sonneneinstrahlung ausfallen wird und mit welchen Temperaturen zu rechnen ist. Das wiederum hat Einfluss darauf, wo Sie Jalousien anbringen müssen. Wenn Sie sich eine großzügige Glasfront wünschen, dann sollten Sie unbedingt vorausdenken, wie sich diese Entscheidung über das Jahr hinweg auf die Hitzeentwicklung im Haus auswirken wird. So mag die Einstrahlung im Herbst möglicherweise genau richtig sein, während sie im Sommer unerträglich werden kann. Und ein kleiner Tipp am Rande: Eine einladende Glasfront bedeutet auch, dass man Ihnen leicht ins Haus gucken kann. Achten Sie also bei der Planung von größeren Fenster darauf inwiefern diese vom Nachbarn oder von der Straße eingesehen werden können.

Bauliche Gestaltung

Eine der größeren Entscheidungen für Sie als Bauherr ist sicherlich die Bauliche Gestaltung, sprich das Erscheinungsbild des Hauses. Beim Architektenscout stellen wir immer wieder berühmte Architekten und ihre extravaganten Bauten vor. Wir empfehlen, sich von diesen exotischen Bauten nicht zu sehr den Kopf verdrehen zu lassen, sondern sich auf unkomplizierte Formen zu verlassen. Der Öffentlichkeit ist meist nicht bewusst, dass so manche ästhetische Extravaganz zu Lasten des Wohnkomforts geht. Schon so mancher Star-Architekt hat sich Beschwerden über undichte Dächer anhören müssen…

Achten Sie bei der baulichen Gestaltung auch darauf, wie die Häuser um Ihre zukünftiges Haus herum gestaltet sind. Überlegen Sie sich also nicht nur, was Ihr Haus für sich alleine stehend für einen Eindruck machen wird, sondern auch wie es in Umgebung der Nachbarhäuser wirken wird. Das heiß nicht, dass es sich nahtlos an die Umgebung anpassen muss, aber Sie haben sicherlich Einfluss darauf, wieviel Blicke Ihr Haus auf sich ziehen wird, falls es optisch aus der Reihe fällt.

In diesem Zusammenhang wollen wir noch ein kurzes Wort über Ihre Beziehung zu den Nachbarn verlieren. Es liegt nur in Ihrem Sinne gut mit den Nachbarn zu verstehen und deswegen bei Ihren Entscheidungen im Hinterkopf zu behalten, wie sich die Gestaltung des Hauses auf Ihre Beziehung zu den Nachbarn auswirken wird. Überlegen Sich etwa was für Schatten Ihr Haus auf die Nachbargrundstücke werfen wird und ob die Bäume, die Sie in Ihrem Garten pflanzen wollen, nicht dem Nachbarn aufs Grundstück lauben.

Weitere Bauoptionen

Sie haben auch die Option den Hausbau und den Kauf des Grundstück über den Bauträger abzuwickeln. Das vereinfacht den Prozess und verringert die Anzahl der Vertragspartner.

Zudem gibt es die Möglichkeit ein gebrauchtes Haus umzubauen. Das verringert die Anzahl der zu treffenden Entscheidungen, die Dauer des Baus und auch die Kosten—dafür sind natürlich die Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt.  Wenn Sie allerdings das Glück haben über ein gebrauchtes Haus zu stolpern, das Ihrem Geschmack entspricht, dann sollten Sie ein Umbau ernsthaft in Erwägung ziehen. Der Hauskauf hat wiederum seine eigenen Tücken. Mehr dazu erfahren Sie in unserem umfassenden Post über den Hauskauf.

Der Umgang mit dem Architekt und den anderen Dienstleistern

Ganz wichtig im Bauprozess: der Architekt (Depositphotos)

Ganz wichtig im Bauprozess: der Architekt (Depositphotos)

Welche Dienstleister brauche ich?

Wenn es darum geht Dienstleister für den Hausbau auszuwählen, hilft es den gesamten Prozess in drei Phasen aufzuteilen:

  1. Phase: Grundstückskauf
  2. Phase: Entwurf und Planung
  3. Phase: Bau

Jede Phase hat verschiedene Anforderungen und benötigt dementsprechend verschiedene Dienstleister, auch wenn einige Dienstleister in mehreren Phasen behilflich sein können, insbesondere der Architekt. Der Architekt ist Ihr größter und engster Verbündeter im Hausbau-Prozess und kann Ihnen von der Grundstückssuche bis zur Planung und auch bis Ende des Baus beratend zur Seite stehen. Deswegen sind wir auch der Meinung, dass der Erfolg Ihres Bauprojekts und damit der Erfolg von Ihnen als Bauherr von der Kompetenz und der guten Zusammenarbeit mit dem Architekten abhängt. Nehmen Sie sich also die Zeit, einen zu finden bei dem Sie sich gut aufgehoben fühlen. Das ist nicht nur wichtig, weil Sie auf seine Erfahrung und seine Kenntnisse über den Hausbau angewiesen sind, sondern weil Sie nicht nur Monate sondern eventuell auch jahrelang mit ihm zusammenarbeiten werden—es handelt sich hierbei demnach um eine der wichtigsten Entscheidungen des gesamten Bauprozesses.

Wie finde ich einen Architekten und wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Auch wenn sich viele Architektenbüros spezialisiert haben, beherrschen sie all den Hausbau-Prozess, was bedeutet, dass Sie die Qual der Wahl haben. Ein erster Schritt ist im Freundes- und Bekanntenkreis herumzufragen. Auch wenn im engeren sozialen Umfeld noch niemand ein Hausbau hinter sich gebracht hat, gibt es doch meist jemand der jemand kennt–oder einen der jemand kennt, der jemand kennt… Tatsächlich ist die Auswahl groß–genauso wie die Kompetenz deutscher Architekten. Sie können also auch einfach einen Architekten in Ihrer Nähe über die Architektenkammer ermitteln und um ein Erstgespräch bieten. Dabei haben wir noch einen Tipp für Sie: Arbeiten Sie lieber mit eine kleinen Büro zusammen als mit einem großen! Bei einem kleinen Büro können Sie sich nämlich sicher sein, dass der Architekt, den Sie zu Beginn kennenlernen Sie während des gesamten Projekts begleiten wird und auch persönlich auf dem Bau erscheint. Bei größeren Architektenbüros müssen Sie nämlich damit rechnen, das Sie mehrere Ansprechpartner haben werden und damit nicht so leicht ein Vertrauensverhältnis zu einer bestimmten Person aufbauen können.

Wir vom Architektenscout bieten zudem einen Service, bei dem wir Ihnen kostenlos Architekten vermitteln. Füllen Sie einfach mal eine kostenlose und unverbindliche Anfrage aus, Sie bekommen dann Vorschläge zu Architekten, die gut zu Ihrem Bauprojekt passen.

Sobald Sie sich für einen Architekten entschieden haben geht es vor allem darum, das Haus zu planen und alle wichtigen Details zu klären, die das Bauprojekt entscheidend beeinflussen. Wenn Sie den Artikel bis hierhin gelesen haben, dann wissen Sie ja bereits mit wie vielen Entscheidungen Sie konfrontiert sind und deswegen ist der Architekt an Ihrer Seite so wichtig. Er hat den Überblick, die Erfahrung und das Fachwissen um dafür zu sorgen, dass Ihre Unerfahrenheit nicht zum Problem wird. Ein guter Architekt wird Ihnen die richtigen Fragen stellen um Ihre Vision des Hauses zu verdeutlichen und auch um sie in Frage zu stellen.

Sobald sich das Haus im Bau befindet kümmert sich der Architekt um Koordination und Überprüfung des Bauprozesses. Er kontrolliert eingehende Rechnungen und sorgt nach Fertigstellung des Hauses dafür, dass eventuelle Mängel beseitigt wird und der Bau ordnungsgemäß dokumentiert wurde.

Ein Architekt plaudert aus dem Nähkästchen

Wir haben kürzlich den Münchner Architekten Winfried Golling interviewt, der einige interessante Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bauherr zum Besten gegeben hat. Diese wollen wir Ihnen nicht vorenthalten, schließlich ist es wertvoll für Sie zu wissen, wie ein Architekt den Arbeitsprozess mit dem Bauherren erlebt.

Hier erklärt Herr Golling die Faszination von der Ausarbeitung der Fragestellungen:

„Einige der größten und zentralen Aufgaben in meiner Arbeit als Architekt ist es das zu erfassen was der Bauherr wünscht, weil man baut ja für jemanden der einen ästhetischen und einen funktionalen Anspruch hat. Der Bauherr kann ja normalerweise seine Aufgabenstellung gar nicht vorformulieren sondern du musst ihm entsprechende Fragen stellen und anhand dieser Fragen kriegt man dann Antworten die Aufschluss geben eben auf die Funktionalitäten. Ganz wichtig ist auch herauszufinden, wieviel Geld er ausgeben will und wieviel er hat. Genau dieses Erforschen: Was will er? Wie stellt sich die Aufgabenstellung da? ist spannend für mich. Es ist auch verblüffend, dass oftmals das Ergebnis von der Annahme des Bauherrn dann hinterher ein ganz anderes ist weil man dann hinterfragt und sagt: Wie willst du das wirklich haben? Willst du Kinderzimmer und wie groß sollen sie sein? Soll die Spielfläche im Zimmer drin sein oder für mehrere Kinder eine gemeinsame Spielfläche? Dann die ganzen energetischen Fragen wie Wärmeschutz etc — die Bandbreite ist sehr groß. Das ist die größte Herausforderung und auch die schönste.“

Interessant auch zu hören, dass ein Auftrag für ein Einfamilienhaus für ihn finanziell nicht lukrativ ist, sondern er es auch Spaß an der Aufgabe macht. Zudem gibt er ein interessantes Beispiel über den Erkenntnisprozess des Bauherren.

„Wir haben kürzlich ein Einfamilienhaus gebaut und da hab ich 20% draufgezahlt. Und das macht man weil es eine schöne Aufgabe ist und es macht einem auch richtig Spaß aber davon könntest du nicht leben. Zum Beispiel hatte ich gerade erst endlose Gespräche mit Bauherren über sein geplantes Haus. Ich hab in gefragt: Was willst du haben? Passivhaus, energiesparende Technologien? Da sagt er:  Nein, ist mir nicht so wichtig, kontrollierte Wohnraumlüftung brauch ich nicht. Und was passiert dann? Er geht zum nächsten Architekten, ändert seine Meinung und dann kriegt er eben genau ein Passivhaus mit kontrollierter Wohnraumlüftung etc. Das ist auch ein Erkenntnisprozess beim Bauherren, der dreht sich manchmal im Kreis und das ist eben bei den privaten Bauherren manchmal schwierig weil du kannst ja auch nicht sagen Jetzt haben wir lange genug darüber geredet. Du musst halt solange reden bis er zufrieden ist.“

Dazu sollten Sie noch wissen, dass Architekten nicht nach Stunden bezahlt werden, sondern sich ihr Honorar am Budget des Hauses orientiert. Über die Honorarordnung meint Golling noch:

Die Architekten werden ja nach neun Leistungsphasen bezahlt aber da fehlt eine, das ist die Leistungsphase null und die heißt nachdenken. Wohin entwickelt sich mein Gebäude, mein Betrieb, mein Haus, welche Funktionalitäten muss das haben und das ist eigentlich einer der spannendsten Punkte, dass man mal darüber nachdenkt: wie entwickelt sich eine Stadt? Nicht: jetzt bau ich da mal irgendwo was hin, sondern eben nachdenken—und diese Leistungsphase fehlt und die Bauherren sollten die mehr einfordern.

Hier seine Meinung zum Thema Finanzverwaltung:

„Dem Bauherren ist man verpflichtet das Budget einzuhalten, den Firmen ist man verpflichtet ihre Rechnungen korrekt zu prüfen, auch das ist natürlich ein spannendes Feld. Mein Job ist es auch die Kosten einzuhalten denn nichts ist ärgerlicher als wenn das Budget aus dem Ruder läuft, dann hast du den Bauherren verloren schneller als dir lieb ist.“

Als wir Herr Golling im Interview fragten ob er mal Lust auf ein ganz extravagantes Hausprojekt hätte, winkte er ab und offenbarte ein ganz anderes Traumprojekt:

„Ich hätte gerne mal einen Bauherren der hier am Tisch sitzt und sagt: Ich hab fast kein Geld–hilf mir. Der aber dann auch den Weg weitergeht und nicht dann noch irgendwo 100 000 Euro für den unnötigen Keller ausgeben will, sondern der sagt: Was können wir alles weglassen? Aus welchem Abfallmaterial bauen wir? Wie können wir das Haus so optimieren, dass es zwar großzügig wirkt aber wenig Quadratmeter hat—das ist die höchste und spannendste Aufgabe. Ich meine es ist mehr Hinrschmalz nötig einen Golf zu bauen als einen S-Klasse Mercedes, das preiswerte und trotzdem teure Haus zu bauen. So einen Bauherren hab ich witzigerweise noch nie gefunden.“

Sicherlich ticken nicht alle Architekten so wie Herr Golling, aber es ist als Bauherr auf jeden Fall gut zu wissen, wie Architekten den Zusammenarbeit mit dem Bauherren einschätzen. Wenn Sie sich noch mehr für die Aufgabenbereiche oder den Beruf des Architekten interessierten, dann werfen Sie doch einfach mal  einen Blick in unser Artikelverzeichnis.

Dienstleister Beim Bau

Neben den Architekten gibt es eine Vielzahl anderer Dienstleister, mit denen Sie es zu tun haben werden. Der Grundstücksverkäufer ist ein Makler, der Ihnen bei der Suche und Vermittlung des Grundstücks behilflich ist. Selbstverständlich können Sie auch eigenständig etwas finden, aber ein solcher Makler kann Ihnen sehr dabei behilflich sein, Zeit zu sparen.

Der Tragwerksplaner arbeitet meist mit dem Architektenbüro zusammen und berechnet die Statik des Gebäudes und kümmert sich um den Wärmeschutz. Der Fachplaner für Gebäudetechnik überwacht und plant die Ausstattung der Haustechnik wie den Heizungs- und Lüftungsbau, sanitäre und elektrische Anlagen sowie die Lichttechnik.

Der Generalunternehmer koordiniert die verschiedenen Firmen, die mit dem Hausbau beschäftigt sind oder er erbringt die Leistungen mittels seiner eigenen Firma.

Dann gibt es noch den Bauträger. Hierbei handelt es sich um einen Unternehmer der Häuser selber finanziert und bauen lässt um diese dann anschließend zu verkaufen. Wenn Sie nach Ihrem ersten Hausbau so sehr Gefallen am Bauherr-Dasein gefunden haben, könnte das ja vielleicht doch noch für Sie relevant werden…

Zu guter Letzt gibt es noch die Handwerker und Handwerksbetriebe. Sie führen die Bauleistungen aus und arbeiten unter Aufsicht der Architekten und Fachplaner.

Kommentare

Von Otis Veröffentlicht 18. Juni 2016 11:56 Reply

Danke für die tollen Tipps! Das ist genau, was ich gesucht habe :-) :-)

Von Thomas Bertelt Veröffentlicht 21. November 2016 17:46 Reply

Man sollte die Bauleistungsbeschreibungen verschiedener Unternehmen genau prüfen und mit anderen vergleichen. Da kann der vermeintlich günstige Preis plötzlich teuer sein und umgekehrt. Bereits länger am Markt befindliche Unternehmen bergen ein deutlich geringeres Risiko, mit diesen einen „Bauschiffbruch“ zu erleiden. „Schlüsselfertiges“ Bauen zum Festpreis mit einem seriösen Anbieter / Architekten ist somit oft nicht die schlechteste Wahl für einen Bauherrn.

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