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Architekturfotografie, Teil 2

  • Von op
  • Veröffentlicht 13. Februar 2015
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Der ArchitektenScout möchte Ihnen als Architekt dabei behilflich sein, gute Architekturfotos zu machen.

Architekturfoto

Architekturfoto

Architekturfotos können sachlich sein, also ein Gebäude möglichst akkurat im Foto darstellen oder sie können stattdessen ein Gebäude fotografisch interpretieren. Architekturfotos können ein Gebäude als Ganzes in seiner Umgebung darstellen oder interessante Details herausgreifen.

Die Architekturfotografie ist ein umfangreiches Gebiet und reicht von der einfachen Dokumentation des Baufortschritts über Fotos für Gutachten bis zu ausgefeilten Architekturfotos.

Entsprechend ist auch der Bedarf an Ausrüstung und Know-how je nach Aufgabe unterschiedlich.

Die eigentliche Architekturfotografie ist ein fototechnisch sehr anspruchsvolles Gebiet. Das dreidimensionale Gebäude in die 2 Dimensionen eines Fotos zu übersetzen, bedeutet, soweit man nicht lediglich eine ebenfalls zweidimensionale Fassade fotografiert, dass man auf die Perspektive, perspektivische Verjüngung und auch bei der Fassade auf stürzende Linien achten muss. Bei starken Weitwinkelobjektiven geht es zusätzlich auch noch um tonnenförmige Verzeichnungen.

 

Architekturfoto Gewölbe

Architekturfoto Gewölbe

Bei Fotos für Gutachten wiederum geht es darum, einen Schaden am besten so zu dokumentieren, dass er dem Betrachter auch ohne weitere Erklärung sofort ersichtlich ist. Das ist weniger eine Frage der Fototechnik als vielmehr eine Frage des Lichts.

Auch in der Innenarchitektur ist die Ausleuchtung eine wichtige Aufgabenstellung.

Viele dieser Aufgaben musste man früher dem Fachfotografen überlassen, weil eine Großformatkamera mit ihren vielen Verstellmöglichkeiten praktisch unabdingbar war. Inzwischen können nahezu alle Aufgabenstellungen der Architekturfotografie mit Digitalkameras und den entsprechenden Objektiven sowie der digitalen Bildbearbeitung gelöst werden. Egal, ob es um die Vermeidung Stürzender Linien oder die Anwendung der Scheimpflugschen Regel geht, inzwischen gibt es Spezialobjektive, mit denen Bereiche der Fotografie, die früher der Großformatkamera und einem daran ausgebildeten Fotografen vorbehalten waren, auch mit einer Digitalkamera bewältigt werden können.

Architekturfoto

Architekturfoto

Für nicht so anspruchsvolle Aufgabenstellungen wie das obige Foto aus dem Ulmer Münster reicht bereits die Nachbearbeitung in einem geeigneten Bildbearbeitungsprogramm, beispielsweise zum Ausgleich stürzender Linien oder um ein leicht gekipptes Foto gerade auszurichten.

Weil die Architekturfotografie lange Zeit eine Domäne der Großformatfotografie war, überdauern auch Empfehlungen, die nur im Zusammenhang mit der analogen Fotografie mit Mittelformatkameras oder Großformatkameras Bedeutung hatten, beispielsweise, dass man immer ein Stativ für die Architekturfotografie verwenden sollte.

Ein gutes Stativ mit einem guten Stativkopf ist sicherlich hilfreich, um die Kamera absolut waagrecht auszurichten. Doch mit modernen Digitalkameras und einer halbwegs ruhigen Hand ist das nicht mehr unbedingt erforderlich, denn viele Digitalkameras bieten diverse Komfortfunktionen, die gerade bei der Architekturfotografie hilfreich sind. Beispielsweise eine eingebaute, elektronische Wasserwaage oder die Möglichkeit, sich ein Gitter als Hilfslinien im Sucher einblenden zu lassen.

Bei Brennweiten bis maximal 60 mm an einer Vollformatkamera kann man, ohne ein Verwackeln der Fotos befürchten zu müssen, sogar noch mit 1/30 Sekunde auch ohne Bildstabilisator die Fotos belichten. Nur bei längeren Brennweiten, also Teleobjektiven bzw. dem Telebereich eines Zoomobjektivs muss man eine Regel beachten, die auch noch im Zeitalter der digitalen Fotografie Gültigkeit hat.

Die längst mögliche Belichtungszeit sollte nicht länger sein als die halbe Brennweite.

Diese Regel bezieht sich auf die Brennweiten von Kleinbildobjektiven. Ein kleineres oder größeres Sensorformat bedingt zur Anwendung dieser Regel die Umrechnung der Brennweite mit dem Formatfaktor, der geläufiger als Cropfaktor bekannt ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Formatfaktor

Denn bei dieser Regel geht es um den Bildwinkel eines Objektivs. Je kleiner der Bildwinkel ist, umso mehr machen sich selbst leichteste Erschütterungen der Kamera als Unschärfe bemerkbar. Deshalb bei längeren Brennweiten kurze Belichtungszeiten oder ein Stativ. Wer eine Kamera mit APS Sensor besitzt, hat bei den für das Kleinbildformat bzw. das gleichgroße digitale Vollformat entwickelten Objektiven zwei Brennweiten. Die echte Brennweite des Objektivs beschreibt die optischen Eigenschaften des Objektivs, die scheinbare Brennweite beschreibt den Bildwinkel, weil der APS Sensor um ein Drittel kleiner ist als das Vollformat und deshalb den Bildwinkel eines Kleinbildobjektivs nicht vollständig nutzt. Die scheinbare Brennweite beträgt an einem APS Sensor 150 % der echten Brennweite.

Verfügen Sie über eine Kamera mit eingebautem Bildstabilisator (beispielsweise Pentax) oder über Objektive mit eingebautem Bildstabilisator, kann die Belichtungszeit ohne die Gefahr des Verwackelns um bis zu drei Blendenstufen verlängert werden. Beispiel: die kürzeste Belichtungszeit, die mit einem Weitwinkel- oder Normalobjektiv ohne Stativ möglich wäre, beträgt, sofern man ruhige Hände hat, 1/30 Sekunde. Die längst mögliche Belichtungszeit ohne Stativ mit eingeschaltetem Bildstabilisator betrüge dann 1/4 Sekunde. Auf dieses Versprechen der Kameraindustrie sollte man allerdings nicht allzu viel geben, doch eine doppelt so lange Belichtungszeit wie ohne Bildstabilisator ist mindestens möglich.

Ein Stativ muss also nicht immer mit dabei sein. Dennoch ist das Stativ unabdingbar, wenn man mit einem Shiftobjektiv fotografiert und das Stativ ist zweckmäßig, wenn man die Kamera ganz exakt ausrichten möchte und natürlich bei Nachtaufnahmen.

Bild 5

Architekturfoto Abends aufgenommen

Architekturfoto Abends aufgenommen

In der Architekturfotografie geht es natürlich auch um das Licht, denn nicht jedes Licht ist für jedes Foto geeignet. Bei Außenaufnahmen also um die Art und Richtung des Lichts bezogen auf das Gebäude und den Kamerastandort, bei Innenaufnahmen ist das Thema noch viel komplexer, insbesondere, wenn Fensterflächen mit im Bild sind. Bei Innenaufnahmen kann man entweder mit einer mobilen Blitzanlage oder HDR Fotos zu starke Kontrastunterschiede zwischen drinnen und draußen vermeiden.

Die verwendete Brennweite hat einen erheblichen Einfluss auf das spätere Foto. Dabei geht es nicht nur um Stürzende Linien, die typischen tonnenförmigen Verzeichnungen starker Weitwinkelobjektive oder die Schärfentiefe einer bestimmten Brennweite, sondern auch um die Tiefenstaffelung im Raum.

Bei Architekturfotos geht es auch immer um die Schärfe. Architekturfotos erfordern eine sehr hohe Schärfe bis in die Details. Dafür ist zunächst die Qualität des Objektivs und des Sensors ausschlaggebend, mit der Blendeneinstellung werden Schärfe und Schärfentiefe reguliert.

In der Architekturfotografie steht man oft vor dem Problem, keineswegs nur in Innenräumen, selbst mit einem starken Weitwinkelobjektiv ein Gebäude nicht komplett fotografieren zu können. Eine Alternative zum starken Weitwinkelobjektiv mit seinen typischen Verzeichnungen ist das Teilpanorama, das gar nicht so schwierig ist.

Sind Filter in der Architekturfotografie sinnvoll? Eine Frage, die fast ein Glaubenskrieg ist. Es gibt schließlich viele Verfechter der Effekthascherei mit Effekt-Filtern. Tatsächlich gibt es nur zwei Filter, die im Zeitalter der digitalen Bildbearbeitung bei entsprechenden Aufgabenstellungen sinnvoll sind, nämlich das Polarisationsfilter, mit dem unter anderem Spiegelungen auf Glasflächen je nach Drehstellung des Filters reduziert bis vollständig eliminiert werden können und farbneutrale Graufilter in verschiedenen Abstufungen, um allzu helles Licht zu dämpfen. Nur bei älteren Objektiven kann im Hochgebirge das UV Filter sinnvoll sein, denn alle neueren Objektive sind entsprechend vergütet, lassen also ultraviolette Strahlung nicht mehr durch. Alles Übrige, was man mit Effektfiltern machen könnte, macht man besser nachträglich in der digitalen Bildbearbeitung.

Die Präsentation Ihrer Fotos für Auftraggeber oder Vorträge ist natürlich auch ein wesentliches Thema, schließlich hat das digitale Zeitalter viele neue Möglichkeiten, Fotos ansprechend zu präsentieren, eröffnet. Sei es die eigene Webseite, PowerPoint Folien oder beispielsweise ein Fotobuch.

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Dieses Foto könnte aus rechtlicher Sicht Probleme bereiten, wäre es nicht von der Straße aus fotografiert und kann somit die Panoramafreiheit für sich in Anspruch nehmen. denn das Urheberrecht des Architekten gilt prinzipiell auch bei einer fotografischen Interpretation des Architektenentwurfs.

Bei der Architekturfotografie sind auch einige rechtliche Themen zu beachten. Auf der einen Seite das Urheberrecht des Architekten, auf der anderen Seite das Panoramarecht.

Die Architekturfotografie ist also ein sehr komplexes Thema. Deshalb gibt es zu jedem dieser Aspekte eigene Artikel, verständlich geschrieben und mit passenden Bildbeispielen, damit Sie sich bei Interesse in das entsprechende Gebiet einarbeiten können.

Artikel und Bilder von:

Gerhard Lindemann
Carl-Höfer-Straße 11
69250 Schönau-Altneudorf
Tel.: +49 6228 9244305

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