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Baue ein „townhouse“ in Berlins Mitte !

  • Von op
  • Veröffentlicht 23. Januar 2015
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Berlin_Townhouses_1

Anfang 2004 kam der Anruf: „Ein guter Freund von mir will in Friedrichswerder ein Townhouse bauen, ich habe dich empfohlen , kannst Du ihn bitte anrufen…“

Ich kannte das Projekt bereits aus der Presse und fand das richtig spannend.

Ein solches Vorhaben hatte ich noch nie gesehen, in allerbester Lage von Berlin in unmittelbarer Nähe vom Gendarmenmarkt wurde ein Fläche von 2.5 ha arrondiert und von einer zentralen Entwicklungsgesellschaft in 50 Townhousegrundstücke aufgeteilt, welche von einzelnen Bauherren zum fairen Preis und nur zum Zwecke des Eigennutzes zu erwerben waren.

Ich nahm sofort Kontakt zum Entwickler auch und konnte noch eines der letzten freien Grundstücke für meinen zukünftigen Bauherren sichern.

Die Grundstücke (50 !!) waren übrigens innerhalb von 10 Tagen alle weg.

Bei den Vorentwurfsskizzen war das zentrales Problem, wie löst man bei nur 6,5 m Breite und 13 m Tiefe eines Baukörpers die innere Erschließung mit Treppenhaus und Aufzug, nach einigem hin und her entschieden wir uns für eine zentrale 2 fach viertelgewendete, ländliche Treppenlösung mit anschließendem Aufzug, insgesamt mit einer Bereits von 1,80 m.

Skizze

Entwurfskizze

Das Bauwerk sollte 5 Vollgeschosse erhalten, eine Dachterrasse, Balkone, Erker und eine 2 geschossige Remise, welche unterirdisch durch einen Gang mit dem Hauptbaukörper verbunden ist.

Der Bauherr ist ein Berliner Malerbedarfsgrosshändler mit guten Wirtschaftskontakten der gerne runde Elemente in dem Entwurf wiederfinden wollte, seine Frau ist Feng-Shui begeistert und formulierte auch die eine oder andere Änderung. Zentraler Wunsch war ein besonders hohes Haus bauen zu wollen. Das höchste, wenn möglich . ;-) 

Der Entwurf war recht schnell abgestimmt und nur 5 Minuten vor Abgabe beim Bauamt dürften wir das gesamte Bauwerk noch mal 50 cm OKFEG erhöhen. Des Bauherren Wunsch ist sein Himmelreich.

Diskussionsbedarf gab es zur Stellplatzproblematik, da der Vorgarten auch nicht gerade groß ist, der hinteren Bebauung und der unterschiedlichen Gründungen.

2 Mal lud der ehemalige Berliner Senatsbaudirektor  Stimmann http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Stimmann

 zu einer gemeinsamen Entwurfsabstimmung und war von der völlig umkonformen und unabgestimmte Lösung der verschiedenen Architekten und Bauherren schlich nicht begeistert. Es gab so gut wie keine Übereinstimmungen, wild wurde jedes Haus mit verschiedenen Materialien, verschiedenen Höhen und Stilen entworfen, so dass man sich schon fragen könnte, ob das so im Sinne einer zukunftsgerichteten Stadtplanung für das Herzstück der Hauptstadt ist.

Unvergessen sein Kommentar: „Sie haben doch hier auch alle was verschiedenes an, der eine kommt im Sakko, der andere im Hemd oder Pullover, und das in verschiedenen Farben ist doch okay, aber wenn Sie hier alle im Pyjama oder Uniform erscheinen würden wäre das doch etwas zu viel – oder ?“

Werkplaung townhouse Schnitt

Werkplanung townhouse Schnitt

Grundriss

Grundriss

 

 

Über das Ergebnis kann sich jeder selber eine Meinung bilden, ich persönlich finde es ganz spannend, hätte mir aber eine etwas einheitliche Grundlinie oder Spange gewünscht. (eine Traumhöhe, ein Fassadenmaterial, ein Raster etc.)

Das Bauamt Mitte prüfte das Vorhaben recht zügig und so hielten nach 5 Monaten die Baugenehmigung in der Hand und konnten als erster von Allen im April 2005 starten.

Auszug Morgenpost

Zeitungsartikel aus der Berliner Morgenpost

Wir hatten auch günstige GU Angebote aber der Bauherr wollten ein paar (befreundete) Unternehmer einbinden und so entschied man sich zur Einzelvergabe , der Rohbau wurde von der BSB Malchin gebaut, über die man wirklich nicht meckern konnte.

Als haustechnische Innovation verbauten wir hier zum ersten Mal eine Luft/Luft Wärmepumpe und eine Solaranlage. Sorgen bereitete zuerst die Lärmemission der Pumpe, die sich aber im Betrieb nachher als leise und Unstern herausstellte.

Beim Richtfest, welches in bester Stimmung, nach nur 16 Wochen Bauzeit mit einem hochzufriedenen Bauherr am 21.10.2005 gefeiert wurde, eröffnete dieser mir, einen Freund zu haben der auch Architekt sein und nun auch einen Blick auf das Geschehen werfen möchte. nach dem Motto: 4 Augen sehen mehr als 2.

Fassade

Caroline-von Humboldt Weg 26

Damit war ich einverstanden, jedoch ergab es sich sehr zeitnah, das diese Entscheidung nicht funktioniert. Ständig wurde hinterfragt, kontrolliert , diskutiert und rein geredet. So kann niemand eine vernünftige Bauleitung machen und ich schlug vor aus dem Vertrag auszusteigen und dem Kollegen das Werk vollenden zu lassen.

Leider ging auf diesen Vorschlag der Bauherr nicht ein und so man quälte sich noch monatelang gemeinsam.

Über das Bauvorhaben wurde auch hier: http://www.welt.de/wirtschaft/article13414600/Die-exklusiven-Luxuswohnungen-in-Berlin-Mitte.html

und hier :

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedtebau-projekte/friedrichswerder/de/townhouses/

berichtet.

Was ich anders machen wurde ? Auf jeden Fall beim Architektenvertrag besser aufpassen und nicht die LP 9 mit in den Hauptvertrag integrieren, damit kann man sozusagen nie die Schlussrechnung stellen. Wahrscheinlich würde ich sogar die Bauleitung (LP 8) ausklammern, Geld wurde damit jedenfalls nicht verdient.

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